Full text : Erläuterungen zu "Der Bergbau in Skizzen"

formatoren*) an jeder Stelle und in jedem gewünschten Maße abgeändert werden kann.
Man braucht also die Hochspannung nicht unmittelbar in der stromerzeugenden Dynamo—
naschine hervorzubringen, sondern man kann in der Maschine einen Strom von niedriger
Spannung erzeugen, was für deren Bau und Betrieb vorteilhaft ist. Dieser Nieder—
pannungsstrom wird dann in einem Transformator in Hochspannungsstrom umgewandelt,
ils solcher fortgeleitet und kann dann am Orte des Motors in einen ungefährlichen Nieder—
pannungsstrom transformirt werden. Die lebensgefährliche Spannung bleibt also aus dem
eigentlichen Maschinenbetriebe ausgeschlossen und wird auf die Leitungsanlage beschränkt,
velche genügend gegen Berührung gesichert werden kann. Die niedrigsten Spannungen, die
direkt den Tod von Menschen zur Folge hatten, sind bislang 500 Volt Gleichstrom (Tram—
dahn Nürnberg) und 400 Volt Wechselstrom (Grube Deutschland).
Die Schwierigkeit, welche anfänglich der Verwendung des Wechselstromes zur Kraft⸗
abertragung entgegenstand, war darin begründet, daß man noch keine den Bedürfnissen der
Praxis entsprechende Wechselstrommotoren besaß. Erst durch die Erfindung der mehrphasigen
Wechselströme, des sog. Drehstromsystemes, wurde der Anwenduna des Wechselstromes für
notorische Zwecke ein weites Feld eröffnet.
Aber auch der Gleichstrom hat für spezielle Fälle der Kraftübertragung einen unzwei⸗
elhaften Wert, z. B. zum Betriebe solcher Arbeitsmaschinen, bei denen eine beliebige Ver—
inderung der Umdrehungsgeschwindigkeit unbedingt erforderlich ist. Wo es sich dagegen um
ine Menge größerer und kleinerer, über das ganze Grubengebiet zerstreuter Betriebspunkte
sandelt, ist der Wechselstrom die einzig geeignete Stromart, die eine ökonomische Verteilung
der elektrischen Energie gewährleistet.
Bei Steinkohlengruben hat man bei der Wahl des Stromsystemes auch die Wetter—
jerhältnisse zu berücksichtigen. Sind letztere günstig, so kann man Gleichstrommotoren anwen—
»en, wo es sich aber um Arbeiten vor Ort oder in Strecken mit Schlagwettergefahr handelt,
ind sie wegen der am Kollektor auftretenden Funkenbildung ganz und gar ausgeschlossen.
Es kann aus diesem Grunde für allgemeine Kraftübertragung in Steinkohlenaruben nur
Drehstrom zugelassen werden.
Leitungsanlage. Um die durch die Grubenbaue führenden elektrischen Leitungen
gegen mechanische Beschädigungen, z3. B. gegen Gesteinsfall, zu schützen, erhalten dieselben
eine Bewehrung aus verzinkten Eisendrähten oder Eisenband und werden, soweit es der
Wetterverhältnisse wegen nötig ist, in Sand eingebettet an der Streckensohle verlegt. Hin—
ichtlich der zur Verwendung kommenden Isolationsmaterialien werden meist Gummi⸗—⸗
abel gewählt. Auch ist das Bleikabel der Firma Siemens u. Halske in Berlin
ielfach in Anwenduug. Dasselbe besteht aus einer mit Jute umsponnenen Kupferseele, um
velche herum ein Bleimantel gepreßt ist. Um den Bleimantel ist die aus verzinktem Eisen—
»raht oder Eisenband bestehende Armatur spiralförmig gewunden, welche schließlich noch mit
zeteerter oder asphaltirter Jute umsponnen ist.
Von der Firma Velten u. Guilleaume in Mülheim a. Rhein wurde das
Okonitkabel (Bl. 20, Fig. 8) eingeführt, welches sich sehr gut bewährt. (Siehe Ketten
örderung in Flötz Beust der Grube Gerhard.)
Bis zu 25 qwm Querschnitt kann die Kupferseele aus einem einzigen Drahte bestehen,
ür größere Querschnitte verwendet man litzenförmige Leiter.

*) Ein Tranusformator besteht aus einem oder mehreren Eisenkernen, auf welche zwei voneinander
getrennte Wickelungen aufgebracht sind. In die eine Spule, die primäre, wird Strom geschickt, der dann
infolge Induktion in der zweiten, der sekundären Spule einen Strom erzeugt, dessen Spannung je nach
Perhältnis der Windungszahlen beider Spulen eine höhere oder niedere als die des primären Stromes ist.
            
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