den Maschine abhängigen Tourenzahl Arbeit zu leisten vermag. Er kann unter Belastung
äberhaupt nicht und unbelastet nicht ohne besondere Hilfsmittel anlaufen; bei überlastung
fällt er außer Tritt, d. h. er verliert die ihm eigene Umdrehungszahl und bleibt dann stehen.
Zum Anlassen werden die Motoren mittels Los- und Leerscheiben oder anderer Vorrichtungen
yon der anzutreibenden Welle losgekuppelt und mit Hilfe sog. Kunstphasen, die durch Ein—
schalten von Induktionswiderständen hervorgerufen werden, auf die normale Umdrehungszahl
gebracht; ist letztere erreicht, so wird die Kunstphase wieder ausgeschaltet und der Motor
zelastet. Bei kleinen Motoren genügt indes schon ein bloßes Andrehen mit der Hand. um
iie in Betrieb zu bringen.
Von den Nachteilen der Synchron-Motoren sowie des asynchronen Einphasenmotors
ind die asynchronen Mehrphasen- oder Drehstrommotoren befreit. Sie laufen vor
illem auch unter Belastungen an und bleiben bei vorübergehender Überlastung nicht stehen.
Der Mehrphasen- oder Drehstrom ist das Ergebnis mehrerer, meist dreier gewöhn—
licher Wechselströme von gleicher Wechselzahl und Stärke, aber verschobener Phase, d. h. die
Ströme sind zeitlich derart gegeneinander verschoben, daß sie beispielsweise ihre größten
positiven Werte nicht gleichzeitg passiren, sondern einer nach dem anderen und zwar stets
in genau gleichen Zeitabständen; sie befinden sich in verschiedener Phase.
Entnimmt man dem Anker einer Wechselstrommaschine nicht nur an zwei gegenüber—
liegenden Stellen A und A, (Bl. 19, Fig. 2), sondern auch an den um 9 dagegen versetzten
Stellen B und B, Strom, so erhält man Zweiphasenströme, nimmt man an drei um
200 gegeneinander versetzten Stellen Strom ab, so erhält man Dreiphasenströme u. s. w.
Der Dreiphasenstrom hat gegenüber dem Zweiphasenstrom den Vorteil, daß man durch
—D0
Während beim Zweiphasenstrom die Schwankungen fast 40/, betragen, sind sie beim Drei—
ohasenstrom nur 140,,. Der Dreiphasenstrom erfordert ferner zu seiner Fortleitung nur
drei Leitungen, während man beim Zweiphasenstrom vier Leitungen nötig hat. Der Haupt—
vert des Dreiphasenstromes liegt jedoch darin, daß man mit seiner Hilfe Motoren von
ausgezeichneter Leistungsfähigkeit bauen kann, die den Gleichstrommotoren nicht nur ebenbürtig,
ondern in Bezug auf Einfachheit, Sicherheit und rationellen Betrieb weit überlegen sind.
Fig. 4, Bl. 17, stellt den Verlauf des Zweiphasenstromes, Fig. 5 den des Drei⸗
ohasenstromes dar: Man ersieht aus Fig. 4, daß die Ströme J und II um 900 oder eine
Viertelperiode in der Phase gegeneinander verschoben sind; wenn sich Strom J im Maximum
hefindet, ist Strom II gleich Null und umgekehrt. Führt man diese Ströme um die Magnet—
scchenkel eines Motors, so entstehen zwei sich rechtwinkelig schneidende magnetische Felder,
die gemäß der Pulsationen des Stromes ihre Intensität fortwährend ändern. Befindet sich
der Strom in den Spulen A Ag der Dynamo (Bl. 19, Fig. 2) in der Phase a, d. h.
hjaben sich die Spulen um den Winkel a gegen die neutrale Achse gedreht, so ist Strom
I— Imaxsin d, der Strom in den Spulen BBe ist um 90“ dagegen verschoben, dem—
nach Strom II Imax sin (90 - 4) — Imax cos d. Die Projektionen des Radius—
dektor in Fig. 5, Bl. 19, auf die Horizontale und Vertikale stellen also den jeweiligen Betrag
der Ströme J und II dar. Die in den Magneten des Motors erregten magnetischen Felder
ind nun proportional diesen Strömen, stellen sich also genau wie in Fig. 5 ebenfalls durch
die Projektionen eines Radius OM (Fig. 6) auf die Horizontale und Vertikale dar. Diese
heiden aufeinander senkrecht stehenden Felder setzen sich nun genau nach dem Parallelogramm
der Kräfte zu dem resultirenden Feld OM zusammen, das mit der Vertikalen den Winkel a
einschließt. Ist nun die Phase des erregenden Stromes a geworden, so ergiebt sich auch
ein resultirendes magnetisches Feld unter Winkel a,, wir haben also ein rotirendes magnetisches