Full text : Erläuterungen zu "Der Bergbau in Skizzen"

sucht, den in den Ankerwindungen induzirten Wechselstrom direkt zum Betriebe von Motoren
zu verwenden, ohne daß derselbe in Gleichstrom kommutirt wird. Der einphasige Wechsel—
strom ermöglicht aber nur unter gewissen Bedingungen eine Kraftübertragung, während der
mehrphasige und speziell der Dreiphasen- oder Drehstrom allen Anforderungen der
Praxis genügt.
Kraftübertragung mit einphasigem Wechselstrom. Wenn man den Strom
einer Wechselstromdynamo dem Anker einer genau ebenso gebauten Wechselstrommaschine, die
in derselben Weise wie die erste Maschine erregt ist, zuführt, so vermag sich der Anker der
weiten Maschine unter gewissen Bedingungen zu drehen und mechanische Arbeit zu leisten.
Die Bedingungen, unter denen die sekundäre Maschine als Motor arbeitet, sind folgende:
Man nehme an, die erregte Spule der Dynamo schließe mit ihrer neutralen Achse N, N
enselben Winkel d ein (Bl. 19, Fig. 1), wie die Spule des Motors mit ihrer neutralen
Achse, und die Enden der Spulen beider Maschinen seien an je zwei Schleifringe geführt, wo—
elbst der Strom abgenommen bezw. zugeführt wird. Dreht sich nun der Anker der Dynamo
im Sinne des Uhrzeigers, so wird in der Spule ein Strom in der eingezeichneten Richtung
nduzirt. Werden nun die Schleifringe von Dynamo und Modtdor in der Weise miteinander
derbunden, daß der Strom in den Spulen des Motors in entgegengesetzter Richtung fließt,
o wird dessen Anker ebenfalls im Sinne des Uhrzeigers umgetrieben. Nun nehme man
in, die Spule der Dynamo habe sich aus der Stellung A um 1800 in die Stellung A,
gedreht, so daß also jetzt dem Motor ein entgegengesetzter Strom zugeführt wird. Hat nun
zie Spule des Motors ihre vorherige Lage noch nicht wesentlich überschritten, so sucht der
entgegengesetzte Strom den Auker nicht mehr im Sinne, sondern entgegen dem Sinne des
Ahrzeigers zu drehen. Man ersieht hieraus, daß der Anker des Motors von dem Wechsel—
trom nur dann stets nach derselben Richtung umgetrieben werden kann, wenn er sich genau
benso schnell dreht, wie der Anker der Dynamo. Nur wenn diese Bedingung erfüllt ist,
»ermag der Motor mechanische Arbeit zu leisten.
Einen solchen Motor nennt man einen synchronen Wechselmotor. Derselbe hat
den Nachteil, daß er nicht von selbst angeht, sondern erst auf die richtige, mit dem zuge—
ührten Wechselstrom korrespondirende Tourenzahl gebracht werden muß. Aldann läuft er
jon selbst und vermag Arbeit zu leisten; wird er jedoch überlastet, so daß er momentan
twas langfamer läuft, so bleibt er sofort stehen, er „fällt aus dem Tritt“.
Eine zweite Art der elektrischen Kraftübertragung mit einphasigem Wechselstrom geschieht
nittels des sog. „Einphasenmotors“, dessen Ankerwindungen in sich kurz geschlossen sind
Kurzschlußanker). Es wird hier dem Anker selbst kein Strom zugeführt, so daß er auch
einer Bürsten und Schleifringe bedarf. Der Anker befindet sich hier in einem pulsirenden
nagnetischen Felde, da der erregende Strom fortwährend seine Richtung wechselt. Auch dieser
Motor könnte nur dann Arbeit leisten, wenn die Tourenzahl seines Ankers genau den Pul—
ationen des magnetischen Feldes, also der Periodenzahl der primären Wechselstromdynamo
entspricht, d. h. wenn der Motor synchron läuft. Das pulsirende magnetische Feld wird
edoch, indem es auf ein sich drehendes System von Leitern wirkt, durch die Einwirkung der
nduzirten Ströme in ein rotirendes magnetisches Feld, ein sog. „Drehfeld“ umgewandelt,
das eine treibende Kraft auszuüben vermag. Deshalb wird auch schon bei geringen Touren⸗
zahlen der Anker sich von selbst immer schneller zu drehen beginnen und dem Synchronismus
ustreben. Auch dieser Einphasenmotor, der zur Gruppe der asynchronen Wechselstrom—
notoren“*) gehört, hat den Fehler, daß er nur bei einer bestimmten, von der stromerzeugen

*) Unter asynchronem Lauf versteht man einen solchen, bei dem die Umdrehungeu des beweglichen
Teiles nicht übereinstimmen mit dem Wechsel der wirkenden Ströme.
            
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