fortsetzeu mag, so bleibt doch jedes noch so kleine Bruchstück ein vollständiger Magnet.
Diese Beobachtung führte zu folgender Theorie des Magnetismus: Jedes unmagnetische
Fisen- oder Stahlstück besteht aus regellos gelagerten Molekularmagneten. Bei Annäherung
eines Magnetpoles drehen sich Molekularmagnete so, daß sie dem influenzirenden Magnet—
zole ihre ungleichnamigen Pole zuwenden, wodurch das Eisen⸗- oder Stahlstück magnetisch
vird. Während beim Stahl die Moleküle ihrer Drehung einen großen Widerstand ent—
gegensetzen, dagegen aber auch die neue Lage ebenso hartnäckig behaupten, kehren die Mole⸗
üle des Eisens, nachdem die magnetisirende Kraft zu wirken aufgehört hat, ebenso leicht
vieder in ihre frühere Lage zurück, wie sie dieselbe verlassen haben. Außer durch einen
iatürlichen Magneten kann man auch Eisen oder Stahl durch elektrischen Strom magnetisiren.
Elektromagnete). Ampèͤre erklärt dies folgendermaßen: Jedes Eisenmolekül wird unaufhörlich
‚on einem kleinen Kreisstrome umflossen. Im unmagnetischen Eisen haben die Ebenen dieser
dreisströme die verschiedensten Lagen und heben deshalb ihre Wirkung nach außen gegenseitig
auf. Führt man nun einen elektrischen Strom um den Eisenstab, so richtet derselbe die Mole—
ularströme gleichlaufend mit sich.
Jedes Eisen- oder Stahlstück kann nur bis zu einem gewissen Grade, bis zur
Sättigung magnetisirt werden, die dann eintritt, wenn die Drehung sämmtlicher Molekular—
magnete oder nach Ampères Theorie die Gleichrichtung sämmtlicher Molekularströme erreicht ist.
Streut man auf ein über einen Magneten gelegtes Papierblatt Eisenfeilspähne, so
ordnen sich diese zu regelmäßig gestalteten Kurven, die beide Pole miteinander verbinden
und deren Richtung in jedem Punkte die Richtung der magnetischen Kraft angiebt. Diese
einien heißen deshalb magnetische Kraftlinien; sie erstrecken sich als Radien einer Kugel
trahlenförmig vom Pol nach allen Richtungen. Den von den magnetischen Kraftlinien
erfüllten Raum nennt man magnetisches Feld. Die Anzahl der durch 1 qem Fläche
enkrecht hindurchtretenden Kraftlinien nennt man die Intensität oder Stärke des magne—
tischen Feldes oder kurz Feldstärke. Die Richtung der Kraftlinien vom Nord- zum Süd—
pol bezeichnet man als positiv. Auf Blatt 16, Figur 1 und 2, ist der Verlauf der Kraft—
linien für einen Stab- und einen Hufeisen-Magneten dargestellt. Magnetische Felder können
auch durch elektrische Ströme erzeugt werden; diese Felder bestehen aus Kraftlinien, welche
die stromführenden Leiter in geschlossenen Kurven umgeben (Bl. 16, Fig. 3). Wirken in ein
und demselben Raum zwei oder mehrere magnetisirende Kräfte, so entsteht ein zusammen—
gesetztes magnetisches Feld, dessen Stärke und Richtung dem Gesetz vom Parallelogramm
der Kräfte folgt (Bl. 16, Fig. So.
Die dynamoelcktrischen Maschinen.
Die Wirkungsweise sämmtlicher dmmamoelektrischen Maschinen beruht auf folgendem von
Faraday im Jahre 1831 entdeckten Vorgange: Wird ein irgend geformter Leiter in einem
magnetischen Felde so bewegt, daß er Kraftlinien schneidet, so wird in dem Leiter eine
elektromotorische Kraft, also auch ein Strom erzeugt. Die drei Daten dieser Erscheinung:
) magnetisches Feld, 2) Bewegung des Leiters, 3) Strom im Leiter stehen in einer solchen
vechselseitigen Beziehung, daß, wenn irgend zwei dieser Daten gleichzeitig vorhanden sind,
dann die dritte Erscheinung von selbst auftritt. Bewegen wir z. B. in einem magnetischen
Feld einen Leiter, so wird in dem Leiter ein Strom induzirt (Prinzip der Dynamomaschinen),
oder lassen wir durch einen im magnetischen Feld befindlichen Leiter einen elektrischen Strom
ließen, so bewegt sich der Leiter (Prinzip des Elektromotors).
Die in einer Dynamomaschine induzirte elektromotorische Kraft ist proportional der
Anzahl Kraftlinien, die in der Sekunde geschnitten werden, mithin proportional der Stärke