Full text : Erläuterungen zu "Der Bergbau in Skizzen"

Die elektrische Leitung ist kaum oder doch äußerst selten reparaturbedürftig, während
Dampf-, Druckluft-und Druckwasserleitungen beständig Reparaturen erfordern und nicht
elten zu kürzeren oder längeren Betriebsstörungen Veranlassung geben.
In allen Fällen, wo große Entfernungen in Frage kommen, ist Kraftübertragung
nit Dampf, Druckluft oder Druckwasser fast vollständig ausgeschlossen und die elektrische
Transmission die einzig anwendbare. Selbst in solchen Fällen wird ihr Wirkungsgrad immer
noch in annehmbaren Grenzen bleiben. Im Durchschnitt kann man bei Einzelübertragungen
nuf einen elektrischen Wirkungsgrad von 75 bis 800,, und bei Kraftverteilungsanlagen
uuf einen solchen von 659,, rechnen. Zwar wird durch die an den Motdoren meist er—
orderlichen Vorgelege der Nutzeffekt etwas verringert, jedoch werden die mit Dampf,
Druckluft oder Druckwasser erreichbaren Wirkungsgrade stets erheblich überschritten.
Die eben erwähnten Vorzüge der elektrischen Kraftübertragung können allerdings für
ihre Anwendung nicht immer ausschlaggebend sein, sondern man wird stets auch die Anlage—
mnd Betriebskosten zu berücksichtigen haben. Mit Bezug auf die Anlagekosten läßt sich eine
allgemeine Entscheidung nicht treffen, man wird vielmehr von Fall zu Fall unter Berück—
ächtigung aller Verhältuisse diese Kosten für die in Frage kommenden Uebertragungsarten
ermitteln und darnach die Wahl treffen. Handelt es sich jedoch darum, ausgedehnte Gebiete
nit Kraft von einer Stelle aus zu versorgen, so wird die elektrische Uebertragung auch in
dieser Hinsicht allen anderen Systemen überlegen sein.
Die Betriebs- und Unterhaltungskosten elektrischer Anlagen sind meist so bedeutend
niedriger als diejenigen anderer Anlagen, daß man oft selbst bei höheren Anlagekosten der
ersteren den Vorzug geben wird. Die Ersparnisse an Betriebs- und Unterhaltungskosten
werden sogar in vielen Fällen dazu führen, bereits vorhandene unökonomisch arbeitende
Kraftanlagen abzuwerfen und durch elektrischen Betrieb zu ersetzen.

Wesen der elektrischen Kraftübertragung.

Als elektrische Kraftübertragung im weitesten Sinne kann man alle jene Fälle
hezeichnen, in welchen der elektrische Strom dazu dient, irgend eine Energieform von einem
Orte nach einem anderen zu übertragen, um sie dort in ihrer ursprünalichen oder einer
zeliebigen anderen Form auftreten zu lassen.
Unter elektrischer Kraftübertragung im engeren Sinne hingegen versteht man die
Fortleitung mechanischer Arbeit mittelst des elektrischen Stromes, wobei die von irgend
einer Kraftmaschine erzeugte mechanische Arbeit in elektrische Arbeit umgewandelt und als
solche fortgeleitet wird, um am Verbrauchsorte wieder in mechanische Arbeit zurückverwandelt
zu werden. Nachstehend soll nur die elektrische Kraftübertragung in diesem engeren Sinne
zehandelt werden.
Zur Umwandlung mechanischer Arbeit oder mechanischer Energie“) in elektrische und
umgekehrt dienen die dynamoelektrischen Maschinen. Verbindet man zwei solcher
Maschinen durch eine Leitung und setzt die eine derselben durch irgend eine mechanische
Triebkraft, z. B. eine Dampfmaschine, in Bewegung, so wird der von ihr erzeugte Strom
die zweite Maschine durchfließen und dabei in Bewegung setzen, sodaß letztere mechanische
Arbeit zu leisten vermag.
Die dynamoelektrischen Maschinen können also einerseits als Stromerzeuger
Generator) und anderseits als Triebmaschine (Motor) dienen. Im ersteren Falle wird

*) „Energie“ ist ein Sammelname für „Arbeit“ und „lebendige Kraft“.
            
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