II. Rangirbetrieb mittelst feststehender Motore.
Die weiteren Versuche, den Rangirbetrieb auf Bergwerken zu verbessern und zu ver—
einfachen, sind darauf gerichtet gewesen, das Rangiren mit Vorrichtungen zu betreiben, die
ron feststehenden Maschinen aus bedient werden.
Seilbetrieb unter Benukung von Weichen und Drehscheiben.
Bei den ältesten derartigen Vorrichtungen geschieht dies mittelst einer kleinen, seitwärts
von den Lade-Geleisen befindlichen Fördermaschine und hohen, kegel- oder cylinderförmig
gestalteten, rings um die Geleis-Anlage verteilten eisernen Trommeln, um welche das zum
Bewegen der Wagen dienende und von der Fördermaschine betriebene Seil gelegt wird.
Diese in ihrer Einrichtung einfache Rangirweise ist in der Ausführung sehr umständlich und
chwerfällig. Sie steht auf Grube Dechen in Betrieb.
Seilbetrieb unter Benutzung von versenkten Schiebebühnen.
Hier findet das Verschieben der Wagen von einem Geleise zum andern mit Hilfe
von versenkten Schiebebühnen durch feststehende Maschinen statt. Die Bewegung der Schiebe⸗
zühnen wird entweder durch ein endloses Drahtseil von einem kleinen Dampfhaspel bewerk—
ttelligt oder mit Seilantrieb, wie ehedem auf dem Albertschacht der Grube Serlo, wo die
Bewegung durch Riemenscheiben und ein- und ausrückbare Vorgelege von der Welle der
stättermaschine erfolgte.
Von größerem Interesse sind diejenigen Anlagen, bei denen zugleich mit dem Ver—
etzen der Wagen von einem Geleise zum andern auch ein Verschieben derselben auf den
Geleisen selbst bewirkt werden kann. Je nach der Art und Weise, wie die Bewegung
erfolgt, unterscheidet man Schicbebühnen-Anlagen a) mit Wellenantrieb, b) mit unmittel—
varem Ketten- oder Drahtseilzug, c) mit Seil-Antrieb, d) mit Kette ohne Ende.
Welchem Rangirverfahren bei Errichtung von Neuanlagen im allgemeinen der Vorzug
zu geben ist, kann von vornherein nicht bestimmt werden. Der Wert einer jeden Anlage
indet seine Begründung in den örtlichen Verhältnissen und deshalb sind diese zunächst in
Betracht zu ziehen. Ob Lokomotiv- oder Schiebebühnen-Betrieb, ob feuerloser oder Seil—
zetrieb vorzuziehen ist, wird daher auch nur mit Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse,
auf etwa vorhandene Materialien, sowie verfügbare Dampf- und Maschinen-Kräfte von
Fall zu Fall zu entscheiden sein.
Zum Betrieb der Schiebebühnen kommen außer Dampf komprimirte Luft und Elek—
rizität zur Verwendung. Auf den Viktoriaschächten dient Druckluft, die aus der Haupt—
leitung der Schachtanlage entnommen wird, zum Betriebe. Die Zuführung erfolgt durch
einen Gummischlauch, der in der Nähe des Anschlusses an die feste Leitung über zwei Rollen
zeführt wird, unter denen sich ein Schächtchen befindet. Beim Zurückfahren der Schiebe—
dühne senkt sich der Schlauch zwischen den Rollen in einer Schleife in das Schächtchen,
vas durch eine in der Schleife eingehängte Rolle mit Gewicht befördert wird. Die Rollen—
ichse läuft dabei mit ihren Enden in einer Führung.
Auf Grube Göttelborn sind die zwei Schiebebühnen mit elektrischem Antriebe ver—
ehen. Jene bestehen aus der eigentlichen Schiebebühne zur Aufnahme des Waggons und
einer besonderen Bühne für den Elektromotor mit dem Triebwerk. Beide sind durch lös—
»are Bolzen und Splinte miteinander gekuppelt. Der Modor ist eine zweipolige Dynamo—
maschine mit Nebenschlußwickelung, die eine Maximalleistung von 9,5 P8. entwickeln kann.