Full text : Die Erscheinungen in Marpingen

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Dieses verdächtige Weib war eben in der Unterhaltung mit
einem Soldaten begriffen, als einige Kinder vom Dorfe dem
Härtelwalde zukamen. Als der Soldat die Kinder, bemerkte,
sprang er eiligst davon. Die Kleinen nun in ihrer gütigen Ein—⸗
falt wollten das an der verbotenen Stelle weilende Weib warnen.
„Wässchen,“ redeten sie in ihrer Ortssprache, „Ihr kriegt ein Pro⸗
tokoll, wenn Ihr nicht von dem Platze fortgeht.“ Die Antwort
war: „O ihr dummen Kinder! Da warte ich bis die Wache kommt.“
Sodann fragte das fremde Weib die Kleinen aus, wer das
Kreuz im Walde errichtet, wer das Muttergottesbild dort auf—
gestellt, ob der Herr Pfarrer im Walde gewesen und noch vieles
Andere. Kurze ßet nachher kam auch Margaretha Thome, 34
Jahre alt, vorüber. Sie wurde in derselben Weise von dem
Weibe ausgefragt. Auch mit der 24jährigen Anna Margaretha
Rectenwald, der 16ährigen Barbara Brill und dem ebenfalls
16jährigen Michael Sartorius, welche nicht lange nachher vorüber
kamen, knüpfte das fremde Weib Unterhaltung an Zunächst
begann es gleich den Genannten zu beten, doch schien ihr Gebet
mehr äußere Lippenbewegung als andächtige Herzensgesinnung
zu sein. Den genannten Personen erregte die ganze Figur und
Haltung Verdacht. Sie sprachen dann Einiges mit ihr und ent—
sernten sich. Später trafen sie die Margaretha Thome, welche
don den Kindern bereits deren Erzählung über die seltsame
Person vernommen. Diese 4 Personen theilten sich gegenseitig
Alles mit, wie sie selbst jene gefehen und was sie mit ihr ge⸗
sprochen hatten. Sie kehrten kurz nachher nach Hinzunahme noͤch
zweier Begleiter nach dem Wald zur bewußten Stelle zurück, um
das verdaͤchtige Weib wieder aͤufzusuchen. Da war dasselbe
berschwunden und nicht mehr zu erspähen.
Die Meinung derjenigen, welche mit der verdächtigen Ge⸗
stalt in Berührung gekommen, geht dahin, sie sei wohl ein
als Weib verkleideter Soldat, und wahrscheinlich zu dem Zwecke
bestellt worden, durch ihre Fragen die vielgesuchten, Amfüfter
des Schwindels“ auszuspioniren.
Die gerichtliche Untersuchungßcommission kam am fol⸗
genden Tage, Sämstag den 15. Jult, n Marpingen an. Der
Herr Pfarrer hatte aber im Officium (Div. Apoctoiorum) das
Respensorium gebetet: „Dum vtéteritis ante reges et praesides,
nolite cogitare, quomodo aut quid lequamuini, “ yls ihm die Nach⸗
*) Wenn ihr vor Königen oder St et nicht
nach, 9 en riß 5 —— r Statthaltern steht, dann denket nicht
            
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