Full text : Die Erscheinungen in Marpingen

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in Folge der Worte des Hauptmauns der Soldat mich geschlagen: hat. Der
Befehl und der Schlag waren ein Augenblick.“
Zeuge Johann Thome, Wirth aus Marpingen, deponirte wie folgt.
Beim Einrücken des Militärs befand ich mich mit meinem Vater, meinem
Bruder und, noch etwa sechs Bürgern in meinem Hause. Mit aufgepflanztem
Bayonnett stürmten ca. 135—20 Mann in die Wirthsstube, sodann in den
oberen Stock und trieben alle Anwesenden auf die Straße, wo sie vom Mili⸗
täär umzingelt wurden. Ich beklagte mich und sagte: Es ist doch nicht recht,
daß wir aus dem Hause gejagt werden. Es kaun ja jetzt Jemand in dasselbe
eindringen und stehlen.“ Bie Soldaten hießen mich darauf zum Hauptmann
gehen. Als ich zu demselben kam, gab er mir ohne Weiteres einen Badenstreich
 mit den Worten: „Dummer Mensch, scheer dich dort hinein!“ (in den
Cordon der Soldaten.) Während ich eingespertt war, trat der Geusdarm von
Tholey in die Wirthsstube, forderte von meiner Schwester Bier und zapfte sich,
als meine Schwester ihm hemerkte, hier sei keine Wirthschaft mehr, der Wirth
sei festgenommen, selbst Bier. Buld darauf durfte ich aius dem CTordon aus:
treten. Der Hauptmann fuhr mich an, wie viel Wein haben Sie? Wie viel
Mann koönnen Sie beköstigen?“ Ich erwiderte: „Ich habe ein Faß Wein von
79-80 Liter.“ Nunmehr wurde das Faß Wein in Beschlag genommen uud
alle vorhandenen Lebensmittel als Brod, Wurst und Käsfe, sowie ea. vier Ctr.
Stroh mit fortgeführt. Der Wein wurde zum Theil in Eimer abgelassen, wo⸗
raus die Soldaten ihn mit dem Feldkessel schöpfen kamen. Das Wirthschafts⸗
lokal wurde für die erste Nacht zur Wachtstube eingerichtet. Die Ortsange⸗
hörigen und Fremden haben sich durchaus ruhig benommen. Auf eine Frage
des Vertheidigers erwiederte Zeuge, der Wein sei ihm später in Folge einer
Verfügung des General-Commando's vom Hauptimann bezahlt worden, aber
nur 50 Liter, weil derselbe behauptet habe, es sei nicht mehr gewesen.
Pastor Neureuter deponirte folgendes:
„Ich habe vont Fenster aus gesehen, wie das Militür die Leute stür—
misch aus dem Walde trieb. Auf einmal kam eine Frau weinend und jam⸗
mernd in mein Haus gestürzt und rief: „Es ist Blut geflossen!“ Bis dahin
hatte ich mich fern gehalten. Jetzt hielt ich es fuͤr meine Pflicht, größeres
Uebel zu verhüten. Die Leute wandten sich sofort an mich, ihnen behülflich
zu sein. Ich ging in's Dorf. Das war vom Militär gesperrt. Ich wurde
vom Hauptmann mit dem Ruf empfangen: „Was wollen Sie? Ich erwie⸗
derte hm: „Ich habe gehört, es hätten Wiedersetzlichkeiten stattgefunden. Da—
her hiete ich Ihnen meine Dienste an, um weiteren Unruhen vorzubeugen.“
Der Hauptmann antwortete: Ich brauche Sie nicht. Sie find Schuld daran;
verlassen Sie sofort den Platz.e“ Ich ging wieder nach Hause. Nach einer
Stunde verlangte ein Unteroffizier jfür den Hauptmann zehn Flaschen verste⸗
gelten Wein. Ich bemerkte, ich hätte keine Erlaubniß, Wein zu verkaufen;
wenn aber der Herr Hauptmann ein Glas guten Wein trinken volle — ver
siegelten hätte ich freilsch keinen — so lade ih ihn zu mir ein. Kurz darauf
kam ein Sergeart nebst vier Mann mit aufgepflanztem Bayonnett uͤnd ver—⸗
langte zehn versiegelte Flaschen Wein mit dem Bemerken, wenn ich sie nicht
hergebe, komme der Hauptmann sie mit der ganzen Compagnie zu holen. Ich
fragte: „Unter welchem Titel verlangen Sie den Wein? Ist Kriegszustand?“
Die Antwort war: „Das wird wohl sein.“ Hierauf lieferte ich den Wein ab.
Am andern Tage bekam ich einen Lieutenant, einen Sergeanten und 14 Mann
Einquartlerung mit Verpflegung. Der Liemenant blieb auf seinem Zimmer.
Er machte mir während der 14 Tage keine Aufwartung. Für jeden Soldaten
            
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