Full text : Die Erscheinungen in Marpingen

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Doch sind damit die an das Eingreifen des Militärs geknüpf⸗
ten Vorkommnisse nur zum geringften Theile geschildert. Die
nöthigen Einzelschilderungen zuͤr Ausfüllung des in den angege—
benen Rahmen passenden nmfassenden Bildes würden für sich
eine eigene größere Abhandlung erfordern. Eine ganz vollstän⸗
dige Darstellung schien aber weder im Oklober 1876 noch ist sie
im Mai 1877 möglich, da die Akten der zuständigen Organe,
der Verwaltung und des Gerichtes noch nicht dem Gefschcchts
forscher zugänglich sind. Die privaten Protokolle der Einwohner
von Marpingen sind höchst glaubwürdig und tragen die Unterschrift
der Zeugen mit dem Zusatz, nöthigenfalls durch Eid deren
Wahrheit erhärten zu wollen. Doch soll von denselben nur so—
viel hier Gebrauch gemacht werden, als sie wirklich die eidliche
Bestätigung vor Gexicht bisher erhalten haben.
Diese eidliche Bestätigung vor Gericht wurde herbeigeführt
durch die Anklage der Offickere der am 18. Juli s surt
pingen entsandten Militärabthetlung gegen den Verfasser des
Artikels in der „Kolnischen Volkszeikung“ wegen behaupteter ver⸗
läumderischer Beleidigung. Die Verhandlung darüber geschah
am Samstag den 14. April 1877 vor dem Zuchtpolizeigerichte
zu Köln. Der angeklagte Verfasser, Prof. Pr. Scheben, be—
hauptet in der Verhandlung, der Inhalt seines Referates sei nur
ein Schatten von dem, was er in Erfahrung gebracht habe.
Zur Belastung wurden die eidlichen Erklärungen der
Offictere vorgelesen. Aus deren Inhalt theilt der Bericht
der „Kölnischen Volkszeitung“ vom 17. April über die Verhanb—
lung Folgendes mit, was zur allseitigen Urtheilsbildung neben
den Aussagen der Schutzzeugen hier mitgetheilt werden mag:
„Der HAuptmann hat vom Obersten Vefehl erhalten, nach Marpin⸗
gen mit seiner Kompagnie auszurücken. Auf dem Bahnhofe traf er den Kreis⸗
Sekretär Besser. Dieser erzaͤhlte ihm die Vorkommmisse in Marpingen mit
dem Hinzufügen, daß für den Abend „ein besonderes Wunder in Aussicht
gestellt“ sei. An der Gnadenstelle hat er an dem Bilde eine große Menge
Menschen vorgefunden, die auf den Knieen liegend betete. Er der Haupt⸗
mann, war zu Pferde. Er ließ einen Wirbel schlagen. Er wolite damit die
Menge aufmerksam machen und dann die Aufforderung, den Platz zu räumen,
ergehen lassen. Es herrschte indeß große Unruhe und Schreien, so daß er
sich nicht verstäändlich machen konnte. Einzelne der Solbaten, welche den
Wirbel falsch verstanden, luden die Gewehre. Er, der Hauptmann, komman—
dirte darauf, nicht zu laden, läßt aber das Seitengewehr aufpflanzen. Er
hatte keine Seitenwege, sondern den direkten Weg nach dem Walde einschlagen
lassen. Das Gejohle und Schreien wurde immer stärker. Er gab zwei Zügen
Befehl, auszuschwärmen. Soldaten wurden von der Menge bedroht. Es
wurde von den Waffen Gebrauch gemacht. Von Verwundungen ist ihm jedoch
            
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