Full text : Die Erscheinungen in Marpingen

doppelten Krankheit. — Aus den beiden Ohren sickerte beständig bald Blut,
bald Eiter, bald Beides mit einander vermengt hervor. Von Zeit zu Zeit,
je nachdem sie den Kopf nach der rechten oder linken Seite legte, floß beides
in beträchtlicher Menge, durchgeheuds eine halbe Tafsse voll, hseraus. Wegen
ununterbrochener heftiger Ohrenschmerzen kounte sie nicht einmal Wolle in den
Ohren, geschweige ein“ Tuch um'die Ohren gebunden, ertragen. Selbstver—
stündlich hat das Gehör dieses unferes Kindeg darunter sehr stark gelitten.
Auch, die Augen waren in doige dieses Uebels heftig angegriffen, so daß fie
das Sonnenlicht nicht haben konnten. — Die beiden Unterbeine von den Füßen
an bis zu den Knien waren ringsum feuerroth. Keine weiße Steue sah
man an denselben. Es bildeten sich bald vorn auf den Schienbeinen, balb
an den Seiten, hald an den, hinteren Theilen der Blincn beliebigen Stellen
Eiterflecken, die sich jedesmal vergrößerten, dann aufschwollen und aufbrachen,
und endlich zu einer Kruste würden Ur wenn die Krusten reif waren, dann
fielen sie hald hier bald dort nu den Beinen ab, und es wiederholten sich
dann an diesen von den Krusten befreiten Stellen die alten Krankheitserschei—
nungen immer wieder von Neuem. Auf die Eiter- und Krustitellein ganz be⸗
sonders mußte jeden Tag wenigstens zweimal frische Charpie gelegt und dann
jedes Bein noch mit rischer Leinwand umwickelt werden. Zur Winterszeit
donnte unser Kind bei feinem esenben Zustande und wegen großer Empfindlichkeit
 bei der geringsten Kälte nur höchst selten die Schule besuchen. Da
diese Krankheit so ganz ungewöhnlicher Art war, glaubten wir, es hebe kein
natürliches Mittel gegen diefelbe und unterließen es deshalb auch, einen Arzt
zu Rathe zu ziehen. — Da ist nun demselben wie durch ein Wunder geholfen
worden. Unser Kind Anna, das von den Erscheinungen unser gebenedeiten
Gottesmutter Maria sowie von dem Gnadenwasser in Marpingen, durch defsen
Behrauch schon so Mancher gesund geworden sei, bereits wiederholt gehört
hatte, bekam eine so große Sehnsucht, auch dorthin zu wallfahrten, um durch
die Fürbitte Mariens die Gesundheit doch wieder zu erlangen, daß nach vie—
lem Drängen die Mutiter mit ihrem kranken Kinde nach Marpingen reiste.
Am, Feste Mariä Geburt (1876) waren sie dort. Die Mutter verschaffte fich
Wasser von dem Gnadeubrunnen, gebrauchte dasselbe bei ihrem Kinde unter
Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete achl Tage lang. Schon nach den
ersten drei Tagen fiel die Kruste ab. Die Eiterstellen waten verschwunden so
wie auch das Feuerroth an beiden Beinen Es bilden sich eine neue Haut,
so weiß und so schön, wie bei einem gesunden Menschen. Nach 8 Tagen hörte
auch das Bluten und Eitern aus den veiden Ohren gaͤnzlich auf. Die hefügen
Ohrenschmerzen ließen nach. Das Gehör selbst kehrt mit jedem Tage immer
mehr und mehr wieder. Die Augen kounen daß Sonnenlicht besser vertragen.
Den ganzen Winter hindurch ist unser Kind mit den anderen Geschwistern zur
Schule gegangen und hat auch nicht ein einziges Mal über Schmerzen oder
Weh am Körper geklagt Nach allem dem haben wir die sicherste Hoffnung,
daß auch das Gehör umd das Gesicht unseres Kindes vollstündig wiederkehren
wird. Miik indlichem Herzen danken wir dem gütigen Gotte für diese unserem
Kinde Anna erwiesene leibliche Wohlthat.
Poelert, Pfarrei Rascheid, Lokreis Trier. 24. Febr, 1877.
gez. Johann Eiden d. jüng. Zeugen: gez. Adam Eiden
Anna Maria Eiden. „Nitol. Eiden.
Anna Eiden. „Matth. Eiden.
Nikol. Wahlen.“

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