IV
Pe in der versammelten Gesellschaft bis jetzt noch Bedenken über
die Wahrheit und Wirklichkeit der Angaben der zwei oder
früher der drei Kinder gesetzt hatte, dem waren sie jetzt geschwunden.
Die Kinder sahen in der That eine Erscheinung — dies war
Allen nunmehr bewiesen. Auch war Jedermann höchst geneigt,
anzunehmen, daß es in Wahrheit die sündenlose Gottesmutter
und hl. Jungfrau Maria sei — aber einen augenfälligen Beweis
davon konnten sie bis dahin nicht erkennen. Bald aber sollte
auch dieser gegeben werden und sowohl die Anwesenden, wie
auch die Meisten der übrigen Bewohner Marpingens zur festen
Ueberzeugung von der Wahrheit und dem himmlischen Charakter
der hl. Erscheinung zu führen. Die Heilige hatte zur Genesung
der Kranken die Erlaubniß zur Anrührung ihrer hochheiligen
Person ertheilt, sie hatte damit das den armen an die Sinne
gebundenen Menschenkindern am meisten zugängliche Kennzeichen
auserwählt. Sie wollte sich wiederum als das, was sie stets
mit besonderer Vorliebe erschtenen ist, als „Heil der Kranken“
bethätigen und bewähren.
Nach der letztberichteten und so günstig beantworteten Frage
nämlich eilten Einige schleunigst weg, um Kranke herbeizurufen.
Darunter waren der erwähnte Peter Schnur, Eva Langendörfer
und der Vater Hubertus. Letzterer trug seine an einem Fußübel
leidende und daher am Gehen behinderte Tochter Barbara, die
Schwester der begnadigten Katharina, herbei. Sie wurde zuerst
zur Berührung des Fußes der hl. Jungfrau zugelassen. Diese
Person verspurte nach einigen Tagen bedeutende Besserung, ohne
daß man indessen dieselbe als eine besonders auffallende oder als
wunderbare Heilung zu betrachten gezwungen wäre.
Der kranke Bergmann Nikolaus Rektenwald hingegen,
derselbe, welcher an dem Nachmittage des nämlichen Tages sich
in den Wald geschleppt und vor Ermattung sofort nach der Rück—
kehr sich zu Bette gelegt hatte, um in einer ungefähr eine Stunde
dcuernden Ruhe sich zu erholen, war inzwischen auch, wieder her—
beigekommen. Der Gastwirth Peter Schnur hatte ihn nämlich