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Während der Nacht konnte Margaretha kaum schlafen. Dafür
betete sie sehr viel. Katharina träumte von der gehabten Er—
scheinung. Susama, welche dieselbe zuerst gesehen, wollte aus
Furcht nicht zu Bette gehen. Die Mutter brachte das Kind
schließlich doch zur Ruhe, mußte aber mit dem Lichte bei dem
bangen Kinde bleiben, bis es im Bette lag und die Decke fest
über den Kopf gezogen hatte.
Am darauf folgenden Tage, Dienstag, den 4. Juli, fühlten
die Kinder sich wieder mächtig nach der Stelle der Erscheinung
des Tages vorher hingezogen. Sie konnten bei der aus Anlaß
der begonnenen Heuferien eingetretenen Schulbvakanz bereits am
Nachmittag gegen 4 Uhr zu der bewußten Stelle gehen. Ihre
leicht erklaͤrliche Schüchternheit hielt sie indessen vom unmittel—
baren Betreten derselben ab. In ehrerbietiger Entfernung von
ungefähr 20 Schritt knieeten sie nieder zum Gebete. Bei der
dritten Wiederholung des Vaterunser sahen sie, Susanna ausge—
nommen, die glänzende Erscheinung wieder, und zwar unmittel—
bar vor sich. Nunmehr stellten sie von aller Furcht entledigt, aus
eigenem Antriebe zwei das Wesen und das Begehren der Er—
scheinung betreffende Fragen, wer sie sei, und was sie von ihnen
verlange.) Auf die erste Frage erhielten sie zur Antwort: „Ich
bin die unbefleckt Empfangene“, auf die zweite: „Ihr
sollt beten“. Dann machten sich die Kinder betend wieder auf
den Heimweg.
Zu Hause erzählten die Kleinen wieder ihre gehabte Er—
scheinung. Der Mutter der Margaretha fiel es auf, daß die
Erscheinung gesagt habe: „Ich bin die unbefleckt Empfangene.“
Sie sagte daher: Sie wird wohl gesagt haben: „Ich bin die
unbefleckte Empfängniß.“ Margärethe erwiderte darauf fast un—
willig: „Ich meine, Mutter, Ihr wollt noch Etwas mehr hinzu—
fügen. Sie hat gesagt: „Ich bin die unbefleckt Empfangene!“
Dieses ist die nähere Erzählung der Kinder über die beiden
ersten der ihnen erwiesenen Gnadenbezeugungen. Von nun an
über das Wesen und den himmlischen Ursprung der Erscheinungen
helehrt, erfreuen sich zunächst die Kinder eine Jange Zeit himm—
lischer Begnadigung, beginnen aber auch eine Periode harter und
eingehender Pruͤfuũg, welche sich bald auf die ganze Gemeinde
ausdehnen sollte. Bereits am Abend desselben Täges fanden sich
.) Diese Fragen lauten in der von den Kindern gebrauchten Ortssprache
Marpingen's: 15,„Wäschen, wer bin Dir?“ 2) „Wat solle mer dhun?“ (Wäs
chen Z Bäschen heißt in jener Gegend jede erwachsene Frauensperson.)