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herbei. Erschreckt und von Furcht gebleicht traten sie sofort den
Heimweg nach Susanna's Elternhause an, sich von dem Gesehenen
unterhaltend. Susanna erzählte nun der Mutter, wie sie eine
weiße Frau mit weißem Schleier und weißem Gewand zwischen
zwei Slträuchern sitzend und ein die Hände faltendes Kind auf
dem Arme haltend gesehen. Das Kind habe ebenfalls ein weißes
Kleidchen, weiße Strümpfe, auf dem Köpfchen ein weißes Kränzchen,
um den Hals aber ein blaues Bändchen mit einem wie aus Wachs
verfertigten Kreuzchen getragen.
Diese Erzählung wurde von Margaretha und Katharina
bestätigt und auͤch ihren Eltern mitgetheilt. Aber weder Väter
noch Mütter schenkten ihr Glauben, sondern suchten die Kinder
durch Güte wie durch Strenge von ihren Aussagen abzubringen.
Man hielt ihnen vor, die auf Lügen gesetzte Höllenstrafe, den
sichern Ausschluß vom Himmel und die Unmöglichkeit, die Mutter
Gottes jemals sehen zu dürfen, versprach zur Belohnung des Ein—
geständnisses der Unwahrheit ihrer Aussagen neue Kleider und
drohte selbst mit Schlägen. Man suchte den Inhalt ihrer Er—
zählung als eine Gefichtstäuschung ihnen hinzustellen, indem wohl
ein Mann mit einem übergehängten Leintuch zur Abholung von
dürrem Laub oder vielleicht eine Frau mit einem weißen Kopf—
tuche vorübergegangen, oder ein theils aus weißem Holz bestehen⸗
der Holzstoß dort gelegen set. Auch hielt man es für möglich,
daß die Kinder sich gegenseitig Furcht einzureden und einander
Grauen zu erregen versucht haben möchten.
Jeder Ausweg indessen scheiterte. Die Kinder beharrten
fest auf der Wahrheit ihrer Aussagen. Susannag sagte endlich,
von den vielen Frägen ermüdet: „Wenn Ihr mir nicht glauben
wollt, ich sag' eß Euch keine hundertmal — ich habe sie aber
gesehen.“ Katharina aäntwortete auf das mütterliche Versprechen
kines neuen Kleides, wenn sie die Unwahrheit ihrer Aussagen zu—
geben wolle: „Ich bekomme doch eines, wenn ich eines brauche.“
Margaretha blieb bei allen Drohungen der Mutter mit der Un—
gnade der älteren, im Bergwerk arbeitenden Brüder, welche sie
sicher bei ihrer Aukunft am folgenden Samstag, für ihre Lügen⸗
haftigkeit einpfindlich abstrafen würden, unerschütterlich. Selbst
bei dem auch von ihrer Mutter gemachten Versprechen eines
neuen Kleides und zwär des schönsten, welches im Kaufladen zu
finden waͤre, sagte sie: „Nuttex, ich kann nicht anders sagen, als
was ich gesehen habe. Wenn ich auch keinen Rock bekomme —
es ist doch wahr!“