Full text : Die Erscheinungen in Marpingen

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Ueber den Ruf des Herrn Pfarrers Neureuter in seiner
Pfarrei und Umgegend ertheilt ein Königlicher Notar, Herr Heß,
ein auf langjähriger Beobachtung beruhendes Urtheil. Derselbe
war nämlich vom Jahre 1866 bis zum Jahre 1872 in dem sehr
nahe bei Marpingen gelegenen Tholey als Notar angestellt und
hatte den Herrn Pastor, sowie alle von den Marpinger Greig—
nissen näher berührten Personen genau kennen gelernt. Dieser
Beobachter nun urtheilt über den Herrn Neureuter in folgender
Weise: „Nach mehrjähriger Beobachtung und auf Grund meines
sehr innigen Verkehrs mit demselben und den Leuten zu Mar⸗
pingen spreche ich die Ueberzeugung aus, daß er einer der wür⸗
digsten Geistlichen und verdienstvollsten Männer in ganz Preußen
ist.. ..... Seine Gemeinde betrachtet ihn als einen heilig—
mäßigen Mann und das ist er auch......... Die Refor⸗
mation des Ortes ist, wie ich gesehen und gehört, vor Allem das
Werk des jetzigen Herrn Pfarrers Neureuter. Zwar haben der
frühere Pästor Sartorius und der Lehrer Bungert auch dazu
geholfen, aber dem Herrn Neureuter gebührt das Hauptverdienst.
Freiwillig arm und wohlthätig bis zum Uebermaß, war er seinen
Leuten ein Musterbild in jeder Beziehung. Niemals habe ich
Jemanden über ihn klagen gehört; Keiner wußte ihn genug zu
soben. Vere bonus pastor, qui dat vitam pro ovibus suis.“
Er war stets in Geldnoth, ich selbst habe ihm einigemal ge—
holfen. Das Geld hatte in seinen Augen gar keinen Werth. Nur
Bösewichter oder Narren können ihn des Eigennutzes oder der
Geldgier beschuldigen.
„Obgleich er ein großer Musikliebhaber und Maler ist, habe
ich ihn in seinen Reden und Handlungen stets sehr nüchtern und
bedächtig gefunden, von Phanlasie habe ich nie etwas Besonderes
gemerkt. Wie er den Ereignissen in Marpingen gegenüber sich
— F
besonnen.“J))
Es muß an dieser Stelle der verstorbenen Schwester des
Herrn Pastors Erwähnung geschehen. In den Kriegs-Jahren
1870/71 war die Pocken-Krankheit in Marpingen ausgebrochen.
Auch der Herr Pfarrer wurde davon befallen, aber unter der
forgfamsten und aufopfernden Pflege seiner frommen Schwester

) Ein wahrhaft guter Hirt, der sein Leben gibt für seine Schafe.
) Siehe den Bricf des Herrn Notars Heß an den Reichstagsabgeord⸗
neten Prinz Edmund Radziwill. Vikar von Ostrowo, in der Berliner „Ger—
mania“ vom 6. Dezember 1876, Nro. 288.
            
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