Herr Pfarrer Jakob Neureuter ist nicht der erste katholische
Priester, der seine Musestunden mit der Pflege der Farben- oder
der Tonkunst ausfüllt.
Finer Künstler-Familie angehörig und selbst von künst—
lerischenn Ausfehen, bethätigte er seine angeborenen Anlagen zu
Musit und Malerei und die darin exworbene Geschicklichkeit in
ciner seinem geistlichen Berufe entsprechenden Weise, soweit es die
Mufestunden eines eifrigen katholischen Priesters gestatten. Diese
haren ihm gerade aber nie reichlich zugemessen. Nach Empfang
ber h. Weihe im Jahre 18614 in Coblenz an der Kirche Unserer
Lieben Frauen in einer arbeitsreichen Pfarrei als Kaplan thätig,
hat er seit Uebernahme der Pfarrseelsorge zu Marpingen im Jahr
1865 undufhörlich mit regstem Hirteneifer der geistigen Hebung
und Förderung seiner Pfarrkinder sich gewidmet. Die volle
Wiederbelebung des in früheren Zeiten gestörten und getrühten
religiösen Sinnes auf der Grundlage der Vorarbeiten seiner
nächsten Vorganger ist sein Werk. Daran hat er mit unerschütter⸗
licher Ruhe, anhaltender Stetigkeit und umsichtiger Nüchternheit
gearbeitet, und dadurch der Zufriedenheit der geistlichen und welt—
uͤchen Behörden mit sich und seiner Pfarrei sich zu erfreuen gehabt.
Das Verhältniß des Herrn Pfarrers Neureuter zu den welt⸗
lichen Behörden war demnach in früheren Zeiten das gegenseitiger
Achtung und wechselseitigen Wohlwoll ens. Daran hatten selbst
die religiös-politischen Kampfe kaum etwas zu ändern vermocht.
In dem ausnahmslose katholischen Ort und bei allseitigem guten
Willen fehlte jede Lust und jeder Anlaß den Kulturkampf auch
in das entlegene Thaldorf Marpingen hineinzutragen. Auch die
Zurückweisung der Zumuthung, das staatliche Pfarrgehalt nach
Erlaß des sogenennten „Brodkorbgesetzes“ weiter zu beziehen,
konnte die weltlichen Behörden bei dem Pfarrer von Marpingen
nicht mehr überraschen, als bei jedem andern treuen Priester der
katholischen Kirche in Preußen.
Der Umstand indessen, daß man von behördlicher Seite ihm
noch den besonderen Autrag der Annahme desselben machte, be—
weist auf's Beste, wie wenig man vor den seit dem 8. Juli 1876
eingetretenen Ereignissen dein Herrn Pfarrer Neureuter eine her—
vorragende Thätigkeit im Culturkampf gegen die Staatsgewalt
zuschrieb. Zugleich aber wird die oft auf Geldgier und, Betrug
gestellte Anklage von vornherein als höchst unwahrscheinlich durch
jene Zurückweisung erwiesen. n