II.
—— noch aus den jüngsten Jahren ist eine Thatsache zu ver—
zeichnen, welche die Lebendigkeit inniger und warmer Verehrung
der Einwohner Marpingens zur Schützerin und Schirmerin ihres
Ortes in neuester Zeit auch vor dem 8. Juli des Jahres 1876
beweist. Zunächst dem warmen Dankgefühl für glücklich und treu
erfüllte Pflicht gegen das Vaterland entsprossen und geadelt durch
die Weihe des wiedererneuerten tief religiösen Volkssinnes, bildet
diese Thatsache zugleich einen sprechenden Beleg für die Wahr—⸗
heit des für tadellose Kirchlichkeit und strenge Loyalität den
Einwohnern Marpingens ertheilten Lobes.
Nach der Rückkehr aus dem Feldzuge 1870771 wurde näm—
lich unter den Kriegern aus der Pfarrei Marpingen der Wunsch
laut, das Gedächtniß dieser Jahre durch ein kirchliches Andenken
zu verherrlichen und ferneren Zeiten zu erhalten. Nun hatte der der
Malerei ergebene Ortspfarrer J. Neur euter ein lebensgroßes
Bild Unserer Lieben Frau während der Kriegszeit in seinen Muse—
stunden entworfen und begonnen. Dieses Bild sollte vollendet
und als Votivbild der Krieger Marpingen's in der Kirche des
Ortes das Andenken an die Jahre 1870771 wach erhalten. Man
erstattete dem Herrn Pfarrer die nöthigen Auslagen für Lein—
wand, Farben, Rahmen des Bildes, ließ in der oberen Ecke die
Inschrift anbringen: „Votivbild der Krieger hiesiger Pfarrei zur
Erinnerung an die Jahre 187071“, und —* dasselbe dann vor
dem linken Seitenaltare in der Kirche auf.
Das Gemälde stellt die Mutter Gottes in sitzender Haltung
mit auf ihren Knieen stehendem Jesukinde vor.
Der Maler des Bildes, Herr Pfarrer Jakob Neureuter,
ist bei Darstellung der Marpinger Ereignisse kaum mehr zu über—
gehen. Zwar liegt die Gefahr vor, daß die öffentliche Erwäh—
nung seiner Person seiner priesterlichen Demut und natürlichen
Bescheidenheit nicht gelegen komme. Aber „Demut ist Wahrheit“,
und ist darum auch vom Herrn Pfarrer Reureuter gütige Nach—
sicht zu hoffen, wenn den vielen über ihn verbreiteten Unwahr⸗
heiten auch an dieser Stelle die Wahrheit entgegengestellt witd.