Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

Buderus in Lollar, welche Qualitätsroheisen erzeugte.
 Dazu wuchsen sich Sonderbeziehungen zu
den Roheisenwerken Niederrheinlands und West:
falens, insbesondere zum Phönix, Ruhrort und Kupferdreh,
 und zum Schalker Gruben- und Hüttenverein
 in Schalke immer mehr aus, sodaß der Roh:
eisenhandel auch auf dem neuen Boden bald wieder
 eine erhebliche Bedeutung erlangte. Im Jahre
1886 betrug der Roheisenumschlag in Ludwigshafen
35243 Tonnen im Werte von 1740594 Mk. und
896 82 583 Tonnen im Werte von 4673 909 Mk.
Mit der Vermehrung der deutschen Eisenerzeugung
 und ihrer Weiterverarbeitung hatte jedoch
ein anderer Zweig in der Firma eine Bedeutung
erlangt, welcher früher nur ein untergeordnetes Geschäft
 bedeutet hatte: der Handel mit fabriziertem
Eisen. Unter der umsichtigen Leitung von Hermann
 Gaiser, welcher am 6. Oktober 1869 in die
Dienste der Firma getreten war und 1878 Prokura
erhalten hatte, hatte dieser Zweig bis 1881 einen
derartigen Umfang angenommen, daß die derzeiti
gen Magazinräume im Geschäftshause Ludwig:
straße 83 in Ludwigshafen a. Rh. zu eng wurden.
Es wurde daher zum Bau eines großen Stabeisenmagazins
 auf staatlichem Boden im sogenannten
Zollhofe geschritten. Unmittelbar nach seiner Vollendung
 1882 wurde es in Betrieb genommen und
das alte Magazin geräumt. Der alte Magazinier
Tobias Bayer, der 1856 in die Dienste der Firma
getreten war, siedelte mit ihm über und waltete
seiner bis 1904. Er starb am 21. September 1906.
Mit diesen neuen Hilfsmitteln entwickelte sich der
Handel mit fabriziertem Eisen kräftig weiter und
erreichte unter dem Drucke der steigenden Erzeugung
 und unter der Leitung eines hervorragenden
ertragswirtschaftlichen Geistes immer höhere Umschläge.
 Im Jahre 1886 betrug der Stabeisenumschlag
 in Ludwigshafen 16070 Tonnen im Werte
von 1624065 Mk., und 1896 54578 Tonnen im
Werte von 5808959 Mk. Am 6. November ı902
starb Hermann Gaiser nach dreiunddreißigjähriger
rastloser Tätigkeit in den Diensten der Firma. Ein
unermüdlicher Geistesarbeiter mit scharfem ertragswirtschaftlichem
 Blicke, ausnehmender Bescheidenheit
 und großer organisatorischer und erzieherischer
Begabung gab er der Mehrzahl der jungen jetzigen
Teilhaber der Gesamtfirma den wesentlichen Teil
ihrer ertragswirtschaftlichen Ausbildung.
Seit neben dem Handel mit Saarkohlen der
Handel mit Ruhrkohlen getreten war, hatte derselbe
sich dauernd stark entwickelt. In Ruhrort standen
große Lagerplätze zur Verfügung. Dagegen waren
die Lagerräumlichkeiten in Ludwigshafen und
Mannheim verhältnismäßig beschränkt. Die
wachsende Bedeutung des _Ruhrkohlenhandels
nötigte jedoch schließlich auch die Ludwigshafener
Hauptniederlassung zur Beschaffung weiterer Lagerräume.
 Da der Hauptabsatz der Ruhrkohlen auf
dem rechten Rheinufer lag und Mannheim nach
Bayern, Württemberg, Mittel- und Nordbaden einen
Frachtvorsprung von drei Mark für den Doppelwaggon
 von 200 Zentnern hat, welcher durch den
Rheinbrückenzuschlag bedingt ist, so konnte zunächst
 nur Mannheim für einen solchen Platz in
Frage kommen. In den Jahren 1892/93 wurde mit
einem Kostenaufwand von über 120000 Mark im
Mannheimer Hafengebiet auf einem von der Eisen:
bahnverwaltung gepachteten Geländestück ein großes
 Kohlenlager mit zwei Dampfkranen, Siebwerk
und Hochbahn eingerichtet. Als jedoch 1894 der
neue Luitnoldhafen in Ludwigshafen fertiggestellt
            
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