Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

Aus Anlaß von Klingenburgs Tode wurde die
Firma am ı. Januar 1892 in Gebrüder Röchling
umgeändert mit dem Hauptsitz in Ludwigshafen a.
Rh. und Zweigniederlassungen in Duisburg, Basel,
Mailand und Glasgow. Als Teilhaber waren Kommerzienrat
 Karl Röchling, Saarbrücken, Anna Röchling,
 August Röchling und Heinrich Röchling in
Ludwigshafen eingetragen, 1894 trat Dr. Fritz Röchling,
 Sohn von Fritz Röchling, als Teilhaber in
die Firma ein, und es wurde Franz Seeger (seit 1867
bei der Firma), Heinrich Koob (seit 1871), Franz
Mayer (seit 1877) und Fritz Stever (seit 1882) Kollektivprokura
 erteilt.
Im Jahre 1895 erreichten die Eisenpreise wieder
ihren Tiefpunkt. Hämatite standen 42 sh., schottisches
 Gießereiroheisen auf 41, englisches Gießerei:
roheisen auf 34 sh. Längst hatten die Eisenbör:
sen von Glasgow und Middlesborough ihre aus
schlaggebende Bedeutung für den deutschen Eisen:
handel verloren. Wohl war die deutsche Preisbildung
 nicht unabhängig von derjenigen des Welt.
marktes geworden, aber die Einfuhr englischen
Roheisens hatte im Verhältnis zur deutschen Erzeugung
 jede maßgebende Bedeutung eingebüßt
Luxemburger Roheisen kostete im Jahre 1894 durchschnittlich
 37 Mk. ab Luxemburg, Qualitätsroheisen
60 bis 63 Mk. ab Westfalen, Buderus Qualitätsroheisen
 ab Gießerei 58 bis 60 Mk. Aber mit diesen
Preisen war auch der Tiefpunkt der Wirtschaftslage
 erreicht. Von 1894 an begann wieder
zin Aufstieg bis 190o, der in seinem Höhepunkte
 nur hinter demjenigen der Weltwirtschaftslage
 von 1872/73 zurückblieb, sonst aber alles dagewesene
 übertraf. Im Frühling 1900 gab es wieder
Preise von 86 sh. für englische Hämatite, 77 sh. für
schottisches und 78 sh. für englisches Gießereiroheisen.
 Dabei schwanden die sichtbaren Vorräte Großoritanniens
 bis auf 200 000 t zusammen. In Deutschland
 gab es noch höhere Preise. Niederrheinischwestfälisches
 Qualitätsroheisen kostete 100 Mark
und Luxemburger Gießereiroheisen 92 Mark. Die
deutsche Erzeugung vermochte trotz dieses Preisspornes
 den deutschen Bedarf schon längst nicht
mehr zu decken. In England stand der Verbrauch
nicht auf gleicher Höhe. So entwickelte sich unerwartet
 eine starke Einfuhr englischen Eisens. Der
Verkauf der Gesamtfirina an Gießereiroheisen ver.
schiedenster Herkunft betrug 1899 551 000 Tonnen.
Davon waren 325000 deutsches Erzeugnis. Das
war von der Gesamterzeugung von anderthalber
Million Tonnen Gießereiroheisen in Deutschland
über ein Fünftel. Im April 1900 trat der Rückschlag
ein. Der Verkauf stockte auf Monate hinaus, und
die Preise sanken unaufhaltsam bis zum Jahre
1904. Infolge der Tätigkeit einer Reihe von Syndikaten,
 welche einsetzte, erreichten sie .jedoch den
Stand früherer Tiefkonjunkturen nicht wieder.
Bei dem Verlust der englischen Grundlage ihres
Handels galt es in der deutschen. Gießereiroheisenerzeugung
 festen Fuß zu fassen. Das geschah dadurch,
 daß die Firma 1884 die Vertretung der
neu in Lothringen-Luxemburg entstandenen Unternehmungen
 der Eisenindustrie übernahm, der
Rümelinger-Ottinger Hochöfen und Eisenhüttengesellschaft
 A. Pescatore, Louis Zoude & Cie. Dadurch
 sicherte sie sich .ihren Anteil am Handel
mit Luxemburger Eisensorten. Diese Beziehungen
setzten sich auch nach Umwandlung der letzteren
Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft fort. Ebenso
übernahm die Firma die Vertretung der Firma Gebr.
            
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