Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

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Karl Röchling ergänzte von da an dessen. Tätigkeit,
 indem er von Zeit zu Zeit einen längeren
Aufenthalt in Ludwigshafen nahm. Eine der Hauptaufgaben
 Karl Röchlings war die Rettung des Guthabens
 der Firma bei den Rheinischen Stahlwerken.
Dieselbe gelang ihm nur um den Preis, daß er
die Sanierung des Unternehmens in die Hand nahm
und sich selbst für sein Guthaben in neuen Aktien
bezahlen ließ. Die Sanierung in der Tiefkonjunkjur
 war eine so gründliche, daß das Werk von
der von 1880 an aufsteigenden Geschäftslage wieder
kräftig emporgetragen wurde und sein Werbekapital
eine‘ starke Wertsteigerung erfuhr, die zu einer
neuen Quelle des Wohlstandes des Hauses Röch:
ling wurde.
Am 7%. Oktober 1877 starb Kommerzienrat C.
Schmidborn zu Saarbrücken, und am 18. November
1877 wurde die Firma Schmidborn & Co. in Lud:.
wigshafen und deren Zweiggeschäfte in Basel, Ruhr:
ort, Antwerpen, Middlesborough on Tees und Glasgow
 mit Wirkung vom ı. Januar 1878 in die Firma
Gebrüder . Röchling und Klingenburg umgeändert.
Infolge der schlechten Zeiten und des allgemeinen
Niederganges war die erste Handlung der Gesellschaft,
 daß sie infolge eingetretener Verluste und
uneintreibbarer Außenstände das Unternehmungskapital
 von 5 Millionen Mark auf 4,5 Millionen
herabsetzte, wovon. der Firma Gebr. Röchling 3,5
ınd Klingenburg o,9 Millionen gehörten.
Die stetig wachsende Bedeutung des Handels
mit schottischem und englischem Roheisen hatte
1868 die Begründung eines Einkaufsgeschäftes in
Middlesborough on Tees notwendig gemacht. 1871
war dazu ein weiteres Zweiggeschäft in Antwerpen
gekommen. Nach dem Ausscheiden Karl Schmidborns
 war 1875 ferner noch ein solches in Glasgow
 eröffnet worden. Mit dem Niedergang der
deutschen Eisenindustrie unter den fallenden Schutzzöllen
 bis 1878 machten diese Zweigniederlassungen
noch bedeutende Geschäfte. Das wandte sich jedoch
1879 mit der Wiedereinführung eines deutschen
Roheisenzolles. Unter ihm erstarkte die deutsche
Hochofenindustrie sofort in der Weise, daß der
Schwerpunkt des Roheisenhandels nach dem Bin:
1enmarkte rückte. Die Schutzzollpolitik, die Er:
ändung des Thomasverfahrens und der Uebergang
zur Erzeugung von Roheisen im basisch zugestellten
Konverter und die damit in Verbindung stehende
starke Vermehrung der deutschen Roheisenerzeuzung
 machte den Großbezügen englischen Robh-2isens
 nach Deutschland ein Ende.
Schon im Jahre 1879 bereitete sich in der deut:
schen Industrie ein Aufschwung vor. Die Gewißheit,
 daß ein gewisser Zollschutz für eine längere
Reihe von Jahren die Versenkung größerer Mengen
von Barkapital in industrielle Unternehmungen lohnend
 machen werde, belebte den Unternehmungsmut.
 Insbesondere galt dies in der Eisenindustrie,
welche besonders großes Unternehmungskapital erfordert.
 Als sich im Sommer 1879 in den Vereinigten
 Staaten ein Aufschwung zeigte und große
Roheisenverschiffungen dahin veranlaßte, erhielt das
deutsche Eisen fast mit einem Schlag vorübergehend
 fast völligen Spielraum auf dem deutschen
 Markte. In wenigen Monaten stiegen Hämatite
 auf 130 sh., schottisches Gießereiroheisen auf
73 sh. und englisches auf 63 sh. und diese Preisstellung
 kam Deutschland nicht nur insofern ZUgute,
 als sie englisches Roheisen von seinem Markte
fernhielt, sondern auch, indem sie einen Preisauf
schwung für deutsches Eisen ermöglichte. Lang

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