Pariser Börse zu verkaufen, sobald der Kurs 93
erreicht haben würde. Theodor Röchling besorgte
das Geschäft, nachdem das damit beauftragte
Metzer Bankhaus N. Lapointe et A. Bompard auf
verschiedene Schwierigkeiten gestoßen war.
In dieser Zeit dehnte die Firma Schmidborn
hr Bankgeschäft auch auf die Privatindustrie des
Saargebietes aus, indem sie zum Bankier seiner
Glasindustrie wurde, Der nächste Anlaß dazu wurden
verwandtschaftliche Beziehungen, in welche
Karl Röchling zu der führenden Familie aus diesem
Gebiete trat. Er heiratete am 16. April 1857
Alwine Vopelius, eine Tochter aus dem glasindustriellen
Hause Vopelius in Sulzbach, das in den
Firmen Chevandier und Vopelius und Eduard Vopeljus
die beherrschende Stellung einnahm. Diese
Ehe wurde auch noch in anderer Hinsicht für das
Haus Röchling von Bedeutung, indem sie diesem
einen Anteil am Saarkohlenbergbau brachte, da
3in Anteil an der Grube Hostenbach einen Teil
des Heiratsgutes der Braut bildete. Indem’ das
Bankhaus Schmidborn zum Bankier eines privaten
Industriezweiges wurde, nahm der reine Geldverkehr
bei ihm einen für die damalige Zeit sehr
erheblichen Umfang an, und zugleich wuchs damit
der Anreiz, auch mit anderen industriellen
Unternehmungen als Bankier in Verbindung zu
treten. Nicht immer wickelten sich bei den zahl.
;eichen Wechselfällen, durch die damals die industrielle.
Entwicklung ging, diese Beziehungen glatt
ab. So hatte die Firma den Baumwollspinnereien
Filature et Tissage de Coton E. Seitz in Granges
“Vogesen) erhebliche Mittel geliehen und mußte
sich‘ zur Kontrolle der Verhältnisse regelmäßige
Berichte über den Gang der Fabriken erstatten
lassen. Dabei wurden die Zeiten immer schlech-‘er.
Der amerikanische Krieg sperrte die Baumwollzufuhr.
Die alte Maschinerie mußte durch neue
ersetzt werden. 1863 vermochte das Unternehmen
lie ‚Zinsen des Leihkapitals nicht mehr zu zahlen,
ınd diese mußten gestundet und zum Kapital geschlagen
werden. Aehnliche Darlehnsgeschäfte
machte die Firma mit einer andern Textilfabrik,
Auguste Bell in Kriens bei Luzern. 1866 ging es
ıuch dieser so schlecht, daß auch dort ein Ueberwachungsausschuß
eingesetzt werden mußte. Auch
viele im Kleinverkehr ausgeliehene Mittel konnen
nicht eingetrieben werden. So mußte sie die
Firma auf dem Zwangswege als Hypothek eintragen
'assen. So 1863 230 Thaler gegenüber dem Müller
Tacob Schäfer, Junior, in Güdingen.
Anfang der achtziger Jahre’ gelangten die Gebrüder
Röchling auf ähnlichem Wege zu einer Beteiligung
an der Aktiengesellschaft für Buntpapierund
Leimfabrikation in Aschaffenburg und an der
Thalhamer Aktiengesellschaft für Maschinenpapier
fabrikation zu Thalham bei Miesbach in Ober
bayern. Die erstere Gesellschaft hatte drei verschiedene
Sorten Aktien und suchte diese durch
prozentualen Austausch einer Anzahl derselben zwischen
den einzelnen Inhabern zu vereinheitlichen,
um dadurch ihren Kurs zu heben. Durch Umtausch
der Buntpapieraktien in Thalhamer Aktien wurde
die Firma an Thalham beteiligt (1883). Auch ihre
Beziehungen zur Gilasindustrie zogen die Firma
mehrfach in industrielle Verhältnisse hinein. So
ihr Bankierverhältnis zu den Glasfabriken in Vollerysthal
und Portieux. Während der politischen
Spannung zwischen dem Deutschen Reiche und
Frankreich im Jahre 1887 erhielten neben zahlreichen
andern‘ französischen Elsässern auch die