Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

Für Pont-a-Mousson trete durch die Frachtermäßigung
 keine tatsächliche Koksverbilligung ein, da
die Hütte ja zu gleichen Teilen französischen Koks
verarbeiten könne. Eine Ausdehnung der Tarifermäßigung
 auf Lothringen und Luxemburg müsse
er bekämpfen. Er überzeugte die Versammlung,
und der Präsident Thielen bezeichnete seine Ausführungen
 als die der Eisenindustrie an der Saar
Als die Niederschrift über die Kölner Verhand:
lungen erschien, legte Stumm in einem Einspruchsschreiben
 an den Präsidenten Thielen gegen diese
Auffassung Verwahrung ein und behauptete, Karl
Röchling befinde sich in geschäftlichem wie in
oersönlichem Gegensatze zur gesamten übrigen
Eisenindustrie des Saar- und Moselgebietes und
habe seinen geschäftlichen Schwerpunkt in Pontä-Mousson,
 Ruhrort, Ludwigshafen und England.
Er erbot sich, die Richtigkeit seiner Angaben
über Pont-a-Mousson zu beweisen. Darauf legte
er der Handelskammer Saarbrücken die Sache
in ihrer Sitzung vom 22. Juni 1886 vor und ersuchte
 sie, seinen Einsprüchen beizutreten. Die
Kammer, in welcher der andere Teilhaber von Pont-1-Mousson
 Kommerzienrat Haldy anwesend war,
während Karl Röchling fehlte, entsprach mit drei
Enthaltungen dem Antrage.des Vorsitzenden, und
lie Niederschrift über die Sitzung erschien am 27.
juni im Saarbrücker Gewerbeblatt. Gegen diese
Beschlüsse wandte sich Karl Röchling in einer
5ffentlichen Zuschrift an die Presse, in der er aus-:ührte,
 daß doch seine Wahl in die Handelskammer
Saarbrücken wohl für das Gegenteil davon spreche,
daß er den Schwerpunkt seiner geschäftlichen .Tätigkeit
 im Auslande habe und daß Stumm durch seine
Beteiligung an der Halbergerhütte an dem Wettbewerb
 mit Pont-a-Mousson persönlich interessiert
sei. Stumm nahm in der Saar- und Blieszeitung die
Zeitungsfehde auf, und verwies die Entscheidung
über die Sache an die nächste Handelskammersitzung.
 Die St. Johanner Zeitung nahm Röchlings
Partei und feierte ihn als den Mann von „Mut
und Fähigkeit, ohne den wir bald dem Stummschen
Einflusse unterliegen würden, und dann gute Nacht,
mit allem, was noch politische und sonstige Freiheit
anbetrifft.‘‘ In der Handelskammer aber fand er
nur eine kleine Gruppe von Freunden, welche seinen
 Standpunkt teilten. Am ı2. August kam dort
die Sache zur Verhandlung. Hier kam es zur Redeschlacht
 zwischen beiden Gegnern. Die Kammer
stellte sich mit allen gegen 3 Stimmen auf den
Boden, daß Beschlüsse und Niederschrift zurecht
beständen, und sprach Stumm ihr Vertrauen aus.
Stumm vermochte es aber nicht durchzusetzen, daß
die Kammer sich gegen Karl Röchling und seine
öffentliche Wahrnehmung seines Interesses wandte.
Aber Karl Röchling ließ sich diesen Erfolg nicht
genügen, sondern trat den Beweis an, daß er das
Vertrauen seiner Wähler besitzt. Er legte seine Mitgliedschaft
 nieder und wurde mit weit größerer
Stimmenzahl in die Kammer wiedergewählt, als er
das erste Mal gewählt worden war. Dieses Ergebnis
erweckte auf der Gegenseite die Besorgnis, ihre
Vertreter könnten bei der nächsten Wahl in dem
Wahlkreise Saarbrücken, welcher neue Mitglieder
wählte, ihre Kammersitze verlieren. Daraus entsprang
 der Plan, den Kreis Saarbrücken in zwei
Wahlbezirke so zu teilen, daß der eine von den
Städten Saarbrücken und St. Johann, welche ausschließlich
 vom Handel beherrscht wurden, gebildet
 wurde, während den andern Malstatt-Burbach
und das Land bilden sollten, wo das industrielle
            
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