Stumm gehörige Aktiengesellschaft der Dillinger
Hüttenwerke. Da die Halberger Hütte, an der
Stumm als Kommanditist beteiligt war, schon zum
alten Bezirk gehört hatte und die Burbacherhütte
unter der Leitung des Generalsekretärs Seebohm
enge Fühlung mit den Stummschen Interessen hielt,
so sah sich Stumm im Besitze einer starken Mehrheit
in der neuen Kammer und diese wählte ihn
zu ihrem ersten Vorsitzenden. So hatte das Geschick
die Häupter der beiden größten ertragswirtschaftlichen
Familien des Saargebietes in der
Handelskammer zusammengeführt, und bei der
Lage der Dinge konnte ein Kampf zwischen ihnen
schwerlich ausbleiben. Stumm benutzte seinen Einfluß
tatkräftig und schuf sich bald eine feste Kammermehrheit,
welche den Hauptnachdruck auf die
Industrieinteressen des Bezirks legte. Das hehagte
dem städtischen Handel wenig und löste manche
Kundgebungen des Unwillens aus. Auf diesem
Boden war es, wo die Gegnerschaft zwischen dem
Hause Gebrüder Röchling und dem Hause Gebr.
Stumm, welche durch das Heranwachsen' des großen
neuen Handelshauses und dessen immer stärkeres
Uebergreifen auf das industrielle Gebiet sich herangebildet
hatte, zuerst 1886 in hellen Flammen
emporschlug. Den Anlaß bildete eine Frachttariffrage,
welche die beiderseitigen Interessen berührte.
In Verbindung mit der allgemeinen Herabsetzung
der Frachten für Massengüter, welche die Zeit erstrebte,
war die Frage der Ermäßigung der Frachten
für Eisenerze, Kalksteine, Steinkohlen und Koks
auf die Tagesordnung gekommen, und dem Landeseisenbahnrat
des Königreichs Preußen hatte ein
förmlicher Antrag darauf vorgelegen. Der Ausschuß
des Landeseisenbahnrates hatte sich dagegen
ausgesprochen, und am 25. Juni 1886 war ihm
der Landeseisenbahnrat darin gefolgt. Da brachte
das Westfälische Kokssyndikat die weitere Frage
der. einseitigen Ermäßigung der Koksfracht nach
Frankreich auf, welche das Haus Röchling nicht
nur als Kokshändler, sondern auch als Bezieher
von Koks nach _Pont-ä-Mousson interessierte.
Stumm war dabei nur insofern beteiligt, als diese
Ermäßigung eine staatliche Tarifmaßnahme gewesen
sein würde, welche einzig seinen französischen
Mitbewerbern zugute gekommen wäre. Am
18. Mai fand unter dem Vorsitze der Eisenbahndirektion
Elberfeld in Köln eine Verhandlung über
die Frage statt, zu welcher aus dem Saargebiet
Kommerzienrat Karl Röchling, Seebohm, Generaldirektor
der Burbacherhütte und Stumm eingeladen
waren. Beide letztere, welche den Antrag bekämpften,
waren verhindert, zu erscheinen. Stumm reichte
daher seine Anschauung schriftlich ein und sprach
sich dafür aus, daß der Antrag nur unter “der
Bedingung bewilligt werde, daß dieselbe Ermäßigung,
wie er sie wollte, allen Steinkohlen- und
Hochofenbezirken zuteil werde. Eine einseitige
Tarifermäßigung zugunsten der französischen Hütten
sei mit Rücksicht auf den Mitbewerb der dicht
daneben liegenden deutschen Hütten unzulässig.
Insbesondere liefere die Hütte Pont-ä43-Mousson sogar
eine nicht unerhebliche Menge Gas- und Wasserleitungsröhren
nach dem deutschen Zollverein. So
war Karl Röchling der einzige Vertreter des Saargebietes
in der Sitzung. Als das Schreiben Stumms
verlesen worden war, wandte er sich gegen dasselbe
und legte dar, Stumm irre sich hinsichtlich der Verkäufe
von Pont-ä-Mousson nach dem deutschen
Zollgebiet. Früher sei allerdings viel verkauft wor
den. ‘das habe aber durch die Zölle aufgehört.