Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

die Kunde, daß der König komme, und der Bürgermeister
 versammelte die Behörden und städtischen
Vertreter zum Empfange. Er kam jedoch nicht.
Dafür erschien er überraschend am 9. August unter
dem Jubel der Bevölkerung. Nur langsam minderte
 sich die Zahl der Verwundeten in Saarbrücken.
 Mitte September lagen in Saarbrücken
noch 481: Deutsche und 112 Franzosen. Die Nähe
des Kriegsschauplatzes beherrschte den ganzen
Feldzug durch das Leben Saarbrückens. Endlich
kam das Reich und der Friede. Am 8. März 1871
empfing die Saarbrücker Bevölkerung den Reichskanzler
 Bismarck und am ‘15. März den Kaiser.
Abgeordnete aller rheinischen Städte fanden sich
in Saarbrücken zusammen, um dem Kaiser in der
ersten preußischen Stadt einen goldenen Lorbeer
kranz zu überreichen. Mit der Wiederkehr des Frie:
dens trat Schmidborn, zum Königlichen Kommer:
zienrat ernannt, von dem Posten des Ehrenbürger.
meisters zurück, da ihn das Ehrenamt unter den
unerwartet eingetretenen Ereignissen zu stark dem
Geschäfte entfremdet hatte. In der Geschichte des
Krieges und in den Kriegserinnerungen äber lebt
sein Bild und sein Name fort. Zur Erinnerung
an die Ereignisse von 1870 wurde das Winterberg:
denkmal auf den Höhen neben Saarbrücken errichtet
 und 1874 eingeweiht. Dabei verlieh der
König von Preußen den Städten Saarbrücken und
St. Johann „zur Erinnerung an ihre patriotische
und opferwillige Haltung während des letzten Krieges‘‘
 das Recht, fortan die preußischen Farben
zu führen, und stiftete ihnen Anton von Werners
Sturm auf die Spicherer Höhen und König Wilhelms
 Einzug in Saarbrücken, und die Stadt baute
im Anschluß an das Rathaus einen Sitzungssaal,
in dem die Gemälde Aufstellung fanden. Auf der
einen Türe des Saales findet sich obenan unter den
Bildnissen verdienter Bürger und Bürgerinnen das
Bildnis des Bürgermeisters Schmidborn. Karl
Schmidborn sah diese Ehrung nicht mehr. Er starb
1877. Der Saal aber wurde erst am 6. August 1880
eingeweiht.
Mit dem Ende des Jahres 1872 schied Kommerzienrat
 Karl Schmidborn im Alter von 78 Jahren
aus der Firma Schmidborn und Gebr. Röchling
praktisch aus, wenn sein Austritt auch erst am
18. September 1875 veröffentlicht wurde, und überließ
 seine Anteile seinen vier Vettern Theodor,
Ernst, Karl und Fritz, welche das Geschäft fortführten.
 Am 7. Oktober 1877 starb Kommerzienrat
Karl Schmidborn, nicht ohne im Tode noch seine
Liebe für.seine Vettern und namentlich‘ den jüngsten
 derselben zu beweisen. Johann Karl Schmidborn
 setzte in seinem letzten Willen vom 16. Mai
1873 zum Universalerben seines gesamten beweglichen
 und unbeweglichen Vermögens seinen Vet:
ter, Taufpaten und Associe, den Saarbrücker Kaufmann
 Friedrich Wilhelm Röchling ein und verfügte
 außerdem über Vermächtnisse im Gesamtbetrage
 von 200000 Talern. Von diesen erhielten
die Kinder seines verstorbenen Bruders Philipp
Heinrich Schmidborn zu Friedrichsthal, der praktische
 Arzt Dr. Georg Karl Schmidborn zu Saarbrücken
 60000 Taler und der Glashüttenbesitzer
Robert Friedrich Schmidborn zu Friedrichsthal
20000 Taler, deren Schwester Clara Wilhelmine,
geb. Schmidborn, die Witwe eines Bergmeisters
zu Saarbrücken, 40000 Taler. Dem Sohne seines
verstorbenen Stiefbruders, Georg Karl Schmidborn,
fiel eine Rente von 400 Talern.zu, seinen Vettern
und Geschäftsteilhabern. den drei älteren Söhnen
            
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