Unmittelbar nachdem die älteren drei Brüder
Röchling in die alte Firma Friedrich Röchling in
ihrer neuen Form unter dem Hauptnamen Schmidborn
eingetreten waren, begann der planmäßige
Ausbau des ganzen Gebietes des Kohlengeschäftes
und seiner Nebenzweige — nach der einen Seite im
Bankwesen und nach der anderen Seite in Kokserzeugung
und Kokshandel, Briketterzeugung und
Briketthandel, Gaserzeugung, Gewinnung chemischer
Handelsstoffe aus Kohle, die Aufnahme des
Eisenhandels und schließlich die Verwendung von
Koks und Kohle in der Eisenindustrie. Die Pfade
zu dieser Entwicklung waren vielfältige und dornenreiche,
zumal eine Fülle politischer Ereignisse,
welche sich unmöglich vorhersehen oder auch nur
in ihren Folgen sicher abschätzen ließ, den Boden
bestimmte, auf dem diese Wirtschaftsarbeit vor sich
ging. In ihr wechselten Mißerfolge mit Erfolgen,
im ganzen. aber führte ein unerschütterliches Selbst:
vertrauen, ein kühner Wagemut, gepaart mit nüchternem
wirtschaftlichem Scharfblick, hervorragen
der ertragswirtschaftlicher Geist und eine sparwirtschaftliche
Selbstzucht ohne gleichen all die Firmen,
deren Namen sich immer mehr an den Namen
Röchling knüpften, zu einer hervorragenden Stellung
in der deutschen Handels- und Industriswelt.
1858 trat endlich auch der jüngste der Brüder
Röchling, Friedrich Wilhelm, mit 25 Jahren in die
Firma ein. Friedrich Wilhelm Röchling war am
14. Mai 1833 geboren, verheiratete sich am 31. Aug
1860 mit Clara Hild (geb. am 4. Dezember 1835,
und hatte mit ihr drei Kinder, Friedrich Christian,
Clara Henriette und Anna, von denen Anna jedoch
bereits 1874 starb. Clara Henriette heiratete den
Regierungsrat Max von Voß, und Friedrich
Christian studierte Rechtswissenschaft, wurde Doktor
Juris und nachmals Teilhaber der Firma Gebr.
Röchling. Von allen Brüdern trat Friedrich Wilhelm
am wenigsten in der Firma hervor und besaß auch
nur den kleinsten Anteil an ihr.
Die Firma blieb nicht dauernd in dem alten
Hause am Schloßplatz. Am ı. Mai 1870 mietete
sie von Frau Karoline Vopelius die Unterräume
des Hauses Neugasse Nr. 216 zu Saarbrücken für
240 Taler auf sechs Jahre und damit siedelte das
Geschäft an die Stelle seiner gegenwärtigen Tätigkeit
über. Auch dieses Haus war ein altes Bürgerhaus,
ein einstöckiges Gebäude mit fünf Fenstern
an der Stirnseite und vier Fenstern Tiefe, gekrönt
von einer Reihe Dachfensterchen. Es war etwas
abseits hinter dem Neumarkt gelegen. Erst 1901
wurde es durch ein neuzeitliches, bankmäßig mit
allen Facherfordernissen ausgerüstetes Gebäude an
der gleichen Stelle ersetzt. Die Neugasse wurde
nachmals Wilhelmstraße und noch später Wilhelm.
Heinrichstraße genannt.
Im Mai 1870 unterhielt sich Karl Röchling bei
Gelegenheit des Abschlusses einer dreijährigen
Kokslieferung an die Compagnie d’Anzin nach‘ Paris
mit dem französischen Minister Chevandier de Valdrome
und erhielt von diesem die Mitteilung, daß
zwar die Kaiserin den Krieg wünsche, aber der
Gesundheitszustand des Kaisers und die Mehrheit
des Ministeriums sichere Gewähr dafür biete, daß
ein Krieg nicht ausbrechen werde. Auf diese Zusicherung
hin machte die Firma Schmidborn und
Gebr. Röchling durch Vermittelung der Firma
Dönnhoff und Cie. in Ruhrort, bei der sie damals
die hauptbeteiligte war, größere Kohlenabschlüsse
in Westfalen. Dieselben geschahen entsprechend
der Geschäftslage zu billizen Preisen. Sie ruhten