Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

thaler Kohle sendet, auf die sie ihm bereits 600
Frs. Vorschuß bezahlt hat, ist erhalten. Unter den
neuen sicheren politischen Verhältnissen nahm das
Geschäft bald einen solchen Aufschwung, daß das
Magazin Kohlwage als Kohlensammel- und Verschiffungsstelle
 nicht mehr ausreichte. So gründete
 Friedrich Röchling neben der Kohlwage eine
eigene Niederlage. Für eine solche war ein außerordentlich
 großer Raum erforderlich. Denn während
die Saar, die von Kohlwage abwärts ein freier,
völlig unregulierter Fluß war, im wesentlichen, abgesehen
 von Gewitterzeiten im Sommer und von
trockener, warmer Winterwitterung, immer noch
aur im Frühling und im Herbst für Schiffe von
dreißig Tonnen und mehr schiffbar war, so währte
der Fuhrenverkehr zwischen den Gruben und der
Niederlage das ganze Jahr. Tagaus, tagein brachten
zahlreiche Fuhrleute ihre Wagenladungen aus Sulzbach
 und Dudweiler, ja aus ferneren Schächten,
nach dem ‘Magazine. Gegen Ende des Winters
und des Sommers türmten sich dort für die da.
malige Zeit riesenhafte Kohlenvorräte auf. Mit
Frühlings- und Herbstbeginn setzten dann die großen
 Verschiffungszeiten ein. Vor Kohlwage und
der Röchlingschen Niederlage drängten sich dann
dreißig und mehr Kähne zusammen. Eine fieberhafte
 Ladetätigkeit begann. Jeder gefüllte Kahn
uhr talwärts, sobald er nur konnte, und neue Kähne
angten an, ehe die alten noch gefüllt waren. Neben
Trierer Schiffern waren es vornehmlich Saarburger,
die den Fahrdienst besorgten. Die Kähne waren
fast immer ihr Eigentum, wenn auch oft mit schwe:
ren Schulden belastet, und sie machten jede einzelne
Fahrt in einem besonderen Vertrage um Lohn. Die
KXohlensendungen gingen anfangs vorwiegend saar:
ab bis nach Trier und moselab nach dem Rheine
zu. Dann kam dazu die Beförderung moselauf
wärts bis Diedenhofen und Ueckingen, ja bis Metz
Die Durchführung einer regelrechten Schiffsverbin
dung bis in diese Gegenden, wenigstens für einer
recht erheblichen Teil des Jahres, bekam eine be:
sondere Bedeutung dadurch, daß: es Friedrich Röch
ling gelang, die Kohlenzufuhr für die de Wendel
schen Werke in Hayingen und dessen Nachbarschaft,
 welche bis dahin durch Fuhre von dem
Saarkohlenbecken aus erfolgt war, auf das Wasser
zu ziehen. Er übernahm die Deckung des gesam-:
ten Kohlenbedarfes der de Wendelschen Hütten
und erreichte sie für lange Jahre auf dem Wasserwege.
 Ja die Röchlingschen Kohlenkähne vertrieben
 große Kohlenmengen nach Metz und selbst
über Metz hinauf bis nach Pont-A-Mousson, mit
dem das Haus Röchling alte persönliche Beziehungen
 verbanden. In Pont-3-Mousson war die Firma
Moinot et Mansuy ansässig. Mit dieser trat Fried.
rich Röchling in ständige Geschäftsverbindung, und
sie vertrieb die Röchlingschen Kohlen zuschiffe
weiter bis in die Haute-Marne. Das Röchlingsche
Kohlengeschäft war im besten Aufblühen begriffen
als Friedrich Röchling plötzlich am 18. Oktober
1836 zu Saarbrücken starb. Seine Gattin Henriette
war ihm schon am 18. Januar 1828 im Tode vorausgegangen.
 Sie hinterließen keine Kinder. Ihre
nächsten Erben waren Friedrich Röchlings Ge
schwister. Von diesen wäre nur Karl Röchling be
fähigt gewesen, für das Geschäft seines verstorbe
nen Bruders zu arbeiten. Aber er war bereits durch
andere Unternehmungen, namentlich durch sein
Trierer Bankunternehmen, in Anspruch genommen.
Friedrich Röchling hatte bei seinen Lebzeiten den
Wunsch gehabt, seine vier jungen Neffen. die Söhne
            
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