S. Werkskapelle.
Im August 1902 wurden die ersten Anstalten
zetroffen, den seit längerem gefaßten Plan der
Gründung einer eigenen Kapelle für die Röchlingschen
Eisen- und Stahlwerke zu verwirklichen. Am
1. Oktober desselben Jahres waren alle wichtigen
Vorbereitungen, die Anstellung einer Reihe tüchiger
Musiker, die Beschaffung von Instrumenten,
Noten und dergleichen soweit getroffen, daß die
ersten Proben beginnen konnten. Bei der Gründung
wurde die Kapelle, ausschließlich des Kapellmeisters,
mit 25 Mann besetzt, von denen ıo Be-‚ufsmusiker
und ı5 Hüttenarbeiter waren, welche
sich aus Neigung der Behandlung eines oder
mehrerer Musikinstrumente widmeten. Es wurde
jedoch ein allmählicher Ausbau der Kapelle bis
zu einer Gesamtstärke von ungefähr 45 Mann vorgesehen.
Um Ersatz für aus der Kapelle ausscheidende
Mitglieder heranzubilden, wurde im März
1903 die Zöglingsabteilung gebildet, in welcher nur
jugendliche Handkräfte und Angestellte des Werzes
Aufnahme finden könnten. Wie sehr diese
Einrichtung den Wünschen der jugendlichen Handkräfite
entsprach, ging daraus hervor, daß, sich zum
ersten Unterrichtslehrgang weit über hundert Zög:
inge meldeten. Auch in den folgenden Jahren er.
hielt sich dieses starke Angebot musiklustiger
Handarbeiter. Es konnte ihnen jedoch nur zum
;eil durch Aufnahme in der Zöglingsabteilung entsprochen
werden, da es der regelrechten Ausbildung
wegen nur möglich war, eine beschränkte Anzahl
aufzunehmen. Am 18. Mai 1906 stand die Werks-Kapelle
vor dem Deutschen Kaiser anläßlich seiner
Anwesenheit in Diedenhofen in Parade. Bei anderen
selegenheiten betätigte sie sich auf ihrem eigensten
Arbeitsgebiete, so am 16. Juni 1905 auf der Versammlung
des Stahlwerksverbandes im Zivilkasino
zu Saarbrücken, am ı2. November 1905 bei der
Versammlung der Eisenhütte Südwest des Vereins
deutscher Eisenhüttenleute, am 23. und 25. Nov.
1895 bei der Morgenmusik, Parade und Tafelmusik
vor dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz und am
9. Juni 1906 bei der Parade und Tafelmusik vor
dem preußischen Handelsminister. 1900 erreichte
die Werkskapelle eine Stärke von 38 Mann (ausschließlich
des Kapellmeisters).
Im Sommer 1906 wurde auch noch ein Trommer-
und Pfeiferkorps (1 Tambourmajor und 16
5pielleute} gebildet. Die Kapelle hält regelmäßige
Dienstkonzerte ab, zu denen die Arbeiter und deren
Angehörige freien Zutritt haben, und zwar im Sommer
jeden Mittwoch abend im Schillerpark und
im Winter, wo der Besuch der Konzerte nicht so
stark ist, einmal im Monat an einem Sonntag nachmittag
in der Turnhalle. Auch dient die Werkskapelle
dazu, bei Beerdigungen von verdienten Mitgliedern
der Hütte die Trauerfeierlichkeit zu erhöhen
T. Lohnarbeitervereinigungen.
Die Firma fördert Vereinigungen aller Art,
welche wirtschaftliche oder geistige Zwecke verfolgen,
insbesondere aber den 1906 gegründeten
Werksverein durch Jahresprämien. So betrug 1906
die Jahresprämie für ein Mitglied über 25 Jahre
20 Mk:;, unter 25 Jahren 10 Mk. Wird ein Mitglied
der Hüttenarbeitervereine zu einer Heeres.
übung einberufen, so erhält dasselbe eine Unterstützung
für Frau und Kinder von 75 Pfg. bis
1,50 Mk. täglich. Die Firma leistet ferner Zuschüsse
zu gemeinnützigen Bestrehunsen wie zum
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