Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

Nun geziemt es sich ja wohl zu erkundigen
und zu erforschen,
Wer die Fremdlinge sind, nachdem sie der
Kost sich gesättigt.‘“1)
„Meine Lage erweckte bald allgemeine Teilnahme.
 Persönliches Interesse vermehrte sie. Der
geistliche Inspektor Röchling war vier Jahre Lehrer
 am Halleschen Waisenhause gewesen. Mein
Oheim, der damalige Aufseher des Pädagogiums,
hatte ihm an dieser Anstalt vor fünfzig Jahren eine
Lehrerstelle angetragen. Der ältere Sohn hatte anfangs
 Theologie und Pädagogie ‘betrieben, ich war
ihm durch meine Schriften nicht fremd.‘
„Da mehrere Glieder der Familie in Pont-A-Mousson,
 dem Ort unserer Bestimmung, sehr bekannt
 waren, so bekam ich durch sie im voraus
manche erfreuliche Nachricht über die Stadt und
ihre Bewohner. Auch empfehlende Briefe schrieb
man auf der Stelle, die mir sehr nützlich geworden
sind. Als ich nach der neuen Organisation der
Schule fragte, zuckte man die Achseln. „Man muß
sich fügen,‘‘ sagte der Patriarch. — „Vordem war
das Hallesche Waisenhaus wegen seiner strengen
Disziplin und der Einschränkung der Schüler fast
jerüchtigt. Man muß aber die französischen
Schulen kennen, um zu wissen, was Strenge und
Zinschränkung ist.‘
„Der längstvollendete Hausherr kann meiner
Dank für so gastliche Aufnahme nicht mehr hören
Den, — wie ich hoffe, glücklichen — Kreis seiner
Hinterbliebenen wird er vielleicht erreichen.‘
Am 31. März 1814 waren die verbündeten
Monarchen in Paris eingezogen und am 17. April
1814 fand in Saarbrücken ein allgemeines Dankund
 Jubelfest mit Geschützdonner und Glockengeläute
 statt. Die Beamten der Stadt versammelten
sich um 10 Uhr morgens vor dem Altan des Stadthauses.
 Dann ging der Zug, begleitet von zweihundert
 Mann der preußischen Besatzung unter
Kanonendonner und Glockenklang, Musik an der
Spitze,‘ zur neuen Kirche. Dort hielt Inspektor
Röchling die Festpredigt und entwickelte die Fol.
gen der siegreichen Märztage von 1814, welche
Europa den Frieden zurückgegeben hatten. Und
in „Herr Gott dich loben wir‘“ beschloß die Feier.?)
Der Jubel war freilich umsonst gewesen; denn
der Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 beließ Saarbrücken
 bei Frankreich. Ebenso empfing Inpek
tor Röchling mit den anderen Geistlichen Saarbrückens
 den Staatskanzler Fürsten Hardenberg am
26. November 1815 bei dessen Durchreise durch
Saarbrücken und feierte als einer der Hauptredneı
am 30. November 1815 die Besitzergreifung des
Saarbrücker Landes durch Preußen mit.
Johann Friedrich Röchling hatte noch vier Brü
der. Der erste davon war Christian Ludwig Röch:
ling, geboren am 28. März 1743. Er war Herzoglich
Zweibrücker Kammerrat und starb, ohne Nachkommen
 zu hinterlassen, in der westfälischen
Heimat seines Vaters, Kessebüren. Als nächster
Bruder folgte ihm Johann Jakob Röchling, geboren
am 13. April 1746. Er war Freiherrlich Dürkheimscher
 Amtmann zu Sötern bei Birkenfeld, waı
vermählt mit Henriette Geis und starb am 9. August
(800. Sein Sohn Friedrich Röchling, geboren am
. *) Depoltationsreise, I 113—115. Mitteilungen des
Historischen Vereins für die Saargegend, Heft 8, Saarbrücken
 1901. S. 155.
?) Vergleiche Ruppersberg, Geschichte der Städte
Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach, Saarbrücken
 1903. S. 406
            
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