G. Aufenthaltsräume für Hüttenarbeiter.
Auf der Hütte besteht seit den achtziger Jahren
ein großer Speisesaal auf der Eisenwerkseite. Zu
demselben ist bei Erbauung des Stahlwerkes ein
zweiter auf der Stahlwerksseite gekommen. Beide
Speisehallen sind im Winter tagsüber stets geheizt.
In diesen beiden großen Speisehallen nehmen die
Handarbeiter der verschiedenen Betriebe ihre Mahl:
zeiten ein. Sie bringen sich die Mahlzeiten teils
am Morgen mit und wärmen sie auf Wärmeherden,
teils entnehmen sie dieselben den verschiedenen
Speiseanstalten (Menagen), welche mit den Schlafhäusern
verbunden sind, teils erhalten sie dieselben
von Hause gegen Mittag nach der Hütte gesandt.
Für Arbeitsstellen im Freien, z. B. bei Pressen,
Richtmaschinen, Scheren sind besondere verschaffbare
Herde vorhanden, welche aus zwei auseinandernehmbaren
Teilen bestehen. Um das tägliche
Essentragen für diejenigen Hüttenleute, welche ihre
Mahlzeiten daheim gekocht erhalten und die dadurch
bedingte lange Abwesenheit der Mütter von
Hause zu vermeiden oder sie doch zu vermindern,
wurde im Jahre 1898 die Einrichtung getroffen,
daß von den entfernter wohnenden Familien von
seiten der Hütte die Mahlzeiten für den Vater und
die auf der Hütte arbeitenden Söhne durch heizbare
Speisetransportwagen hingefahren
werden. Im Jahre 1902 mußte ein zweiter Wagen
beschafft werden, da die Einrichtung soviel Anglang
fand, daß ein Wagen dem Bedürfnis nicht
mehr genügte. Die Anschaffurgskosten für die
veiden Wagen beliefen sich auf 1200 Mk. und
1500 Mk., während die Unterhaltung im Jahr einen
Betrag von 2700 Mark erforderte. Diese Einholung
des Essens wird für 50 Pfg. den Monat für den
einzelnen Lohnarbeiter besorgt. Eine erfreuliche
Nebenwirkung war, daß eine große Zahl von Kindern
nicht mehr von dem Schulunterricht in der
Stunde zwischen ı1 und ız Uhr befreit zu werden
brauchten, weil die Kinder ihrem Vater oder
ihren Brüdern das Essen auf die Hütte bringen
mußten. Der Aufenthaltsraum für Stahlwerksarbeiter
ist ein Wellblechbau. In ihm sind zwei Tische
und vier Bänke aufgestellt, sodaß eine beträchtliche
Zahl von Handkräften sich zur Einnahme
des Frühstücks darin aufhalten kann. Ein großer
Herd dient zur Erwärmung des Raumes und bietet
zugleich Gelegenheit, Essen anzuwärmen und zu
kochen. Eine auf dem Dach angebrachte Entlüftungshaube
sorgt für Zuführung frischer Luft. Die
Rauchgase des Herdes ziehen durch den
Schornstein ab. Der Herd ist ein ganz ausgemauerter
Ofen. Nach langen Versuchen hat sich derselbe
von allen Systemen am besten bewährt. Er
ist einfach in der Bauart, es läßt sich jedes Brennmaterial
darin verfeuern, auch Kohlenschlamm und
Koksabfälle, die Wärmeabgabe ist gleichmäßig und
nicht zu stark und zu schnell, ein Tjeherheizen
kommt nicht vor.
Auf der Hütte in Völklingen sind, abgesehen
von den großen gemeinsamen Speisesälen, im
ganzen 87 Aufenthaltsräume vorhanden und davon
entfallen 53ı auf das Eisenwerk und 36 auf das
Stahlwerk. Die Räume sind teils gemauert, teils
aus Wellblech mit innerer Holzverschalung aufgeführt.
Alle Räume sind heizbar und werden abends
durch elektrisches Licht beleuchtet. Für ausreichende
Sitzgelegenheit ist überall Sorge getragen.
Die nötige Anzahl Tische ist in allen Räumen
vorhanden In den meisten Räumen sind ver-)