zunächst die gelehrten Familienneigungen zum Ausdruck.
Sein ältester Sohn, der Stammvater des
kaufmännischen und industriellen Hauses Röchling,
war Johann Friedrich. Er war am 30. Oktober
1736' zu Saarbrücken geboren und studierte lutherische
Theologie. Nach Beendigung seines
Studiums wurde er mit 22 Jahren Hofmeister des
Prinzen Wilhelm von Birkenfeld zu Gelnhausen
und bekleidete diese Stelle von 1758 bis 1768. Dann
war er Lehrer am Waisenhause der Franckeschen
Stiftungen in Halle und später Konrektor. 1767
arhielt er die Pfarre zu Linxweiler, auf welcher
er bis 1770 verblieb. Von 1770 bis 1774 war er
als Pfarrer in Ottweiler tätig. Dann kam er als
Erster Pfarrer nach seiner Vaterstadt Saarbrücken.
Als nach dem Frieden von Luneville am 3. April
1801 die Vereinigung des linken Rheinufers mit
Frankreich verkündigt worden war, erhielt in den
vier Departements, in die das neue französische
Gebiet geteilt wurde, die lutherische Kirche eine
besondere Verwaltung durch Generalkonsistorien,
deren Bezirke in Inspektionen geteilt wurden. Jede
Inspektion setzte sich wieder aus fünf Lokalkonsistorien
zusammen. Die ehemalige Grafschaft
Saarbrücken stellte dazu drei, Saarbrücken, St.
Johann und Ottweiler. Zu Saarbrücken gehörten
die Pfarreien Saarbrücken, St. Arnual, Malstatt,
Kölln und Bischmisheim. Röchling war der erste
Präsident und Inspektor des Lokalkonsistoriums
Saarbrücken. Seine Gattin war Christine Klara
Wagner, Tochter des Pfarrers Theodor Heinrich
Wagner zu Dirmingen, und war zwölf Jahre jünger
als er. Am 29. Januar 1748 geboren, verheiratete
sie sich 1767 mit Röchling. Johann Friedrich Röchlings
Bild in Oel ist auf die Nachwelt gekommen.
Der geistliche Rock, das geistliche Halstuch, die
geistliche Perücke mit dem aufgerollten Haar über
den Ohren, das Stützen der beiden Hände auf
die Bibel, der salbungsvoll leicht gespitzte Mund
und das glattrasierte Antlitz kennzeichnen ihren
Eigentümer von selbst als protestantischen Geistlichen.
Es würde gar nicht des freundlich-sinnenden
Gesichtsausdruckes und der hiebreichen Augen
bedürfen, um erkennen zu lassen, welches Amtes
Träger das Bild darstellt. Ein paar feine wohlzebildete
Hände zeigen den Gebildeten, dem grobe
Arbeit fremd ist. Aus dem Hause Johann Friedrich
Röchling ist aber auch eine literarische Augenolicksaufnahme
erhalten. Als im Jahre 1807 Niemeyer,
der Kanzler der Universität Halle, mit anderen
angesehenen Männern als Geisel nach Frankreich
gebracht wurde, kam er durch Saarbrücken.
Er schildert folgendermaßen den Besuch, den er
dabei dem Hauptpfarrer Röchling abstattete: „Um
auch hier etwas von dem Zustande des Schulund
Kirchenwesens zu erfahren, suchte ich den
ersten Geistlichen des Ortes auf. Man öffnete mir
die Tür und führt mich unangemeldet in das Wohn:
zimmer. Ich finde die Familie bei der Abendmahl.
zeit. — Patriarchalisch sitzt der ehrwürdige Hausvater
unter seinen Kindern; einem jungen Arzt.
zwei blühenden Töchtern, einem jüngeren Sohn,
mehreren Verwandten des Hauses. Ich fürchtete
zu stören. Doch ohne alle drückende Umständlichkeit
heißt der siebzigjährige Mann mich platznehmen,
läßt mir vorlegen und zum Willkommen das
Glas füllen. Er frägt nicht, wer ich sei, woher ich
komme, gerade wie es Brauch war in jener homerischen
Zeit, wo auch, nachdem der angekommene
Gast genug der Speis und des Tranks genossen,
der greise Nestor anhebt: