Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

umfaßten. In der Mitte der gesamten Anlage wurde
gleichzeitig mit den Oefen ein großer Kohlenvorratsturm,
 der 1000 t faßte, errichtet. Dieser Turm wurde
durch einen elektrisch betriebenen Conveyor mit einem
Kohlengesenke in Verbindung gebracht, das sich unter
einem normalspurigen Gleis befand. Die mit gewaschener
 Kohle von Altenwald einlaufenden Waggons
wurden mittels eines hydraulischen Kippers in diese
Grube entleert und die Kohle von dem Conveyor in
den Turm, gefördert. So war die Kohlenzufuhr dieser
neuen Anlage nicht nur den Schwankungen unterworfen,
welche die sehr verschiedene Kohlenzufuhr seitens der
staatlichen Bergverwaltung kennzeichnen, sondern sie
war auch dadurch, daß sie ihre Waschkohlen von der
Kokerei Altenwald erhielt, in ein abhängiges Verhältnis
 zu dieser Anlage gestellt.
Mit dem Anheizen der Oefen konnte im November
1897 begonnen werden. Da der Turm mit der
Conveyoranlage noch nicht fertiggestellt war, so
lagerte man die Kohlen zunächst vor dem Kopf der
Batterien nach den Hochöfen zu. Eine geneigte Ebene
von den Oeifen bis zur. Hüttensohle diente den Füllwagen
 als Laufbahn und eine alte Speisepumpe besorgte
 das Hochziehen der gefüllten Wagen. Diese
einstweilige Einrichtung dauerte bis zum Sommer 1898,
wo Kohlenkipper, Conveyoranlage und Turm dem Betrieb
 übergeben wurden.
Bereits von Anfang an lieferte der staatliche Bergbau
 so unpünktlich Kohlen, daß man mit dem Anheizen
 der Oefen von Gruppe III und IV wieder aufhören
 mußte. Die übrigen 52 Oefen wurden dagegen
voll in Betrieb genommen und am 16. November 1897
der erste Koks mit den inzwischen fertiggestellten
elektrischen Ausdrückmaschinen aus den Oefen gedrückt.
 Im Februar 1898 konnte sogar für kurze Zeit
Gruppe III (38 Oefen) mitbetrieben werden. Doch
ließ sich dies nur bis zum 1. April 1898 aufrecht erhalten,
 wo die Kohlenzufuhr völlig aufhörte und einen
kurzen Stillstand der gesamten Anlage zur Folge hatte.
Das häufige Anheizen und Kaltwerdenlassen wurde eine
stehende Erscheinung, und es kam öfter vor, daß man
den glühenden Koks in den Oefen ließ in der Hoffnung,
daß inzwischen Kohlen eintreffen würden, um somit
das erneute Anheizen zu sparen. Kam dann keine Kohle,
so erkaltete der Koks in den Oefen und mußte dann
aus diesen entfernt werden. Dieser gestörte Betrieb
mußte natürlich die Oefen vor der Zeit zerstören. Die
Wände wurden krumm und undicht und dadurch wurde
eine spätere Einführung der Gewinnung von Nebenerzeugnissen
 ausgeschlossen.
Um diesem Auf und Nieder etwas zu steuern, versuchte
 man Kohlen anderer Herkunft (Frankenholz und
Bexbach) sowie ungewaschene Maybacher Kohle zu verwenden.
 Um die Verwendung unzerkleinerter Kohle zu
armöglichen, wurde auf dem Kohlenturm ein elektrisch
angetriebener Desintegrator von 120 Pferdekräften aufzestellt.
 Es gelang aber selbst dann noch nicht, geaügend
 Kohlen zum dauernden Betrieb herbeizuschaffen.
Eine Aenderung der Arbeitsweise und ein regelmäßiger
 Betrieb wurde erst erreicht, als die von
Meguin im Jahre 1902/3 erbaute Kohlenwäsche die Versorgung
 der Anlage mit gewaschenen und zerkleinerten
Kohlen übernahm. Um die gleiche Zeit wurde die Anlage
 auf 152 Oefen ausgebaut. Seit 1903 konnte sie
dauernd betrieben werden. Durch die neue Wäsche
wurden Kohlenkipper und Desintegrator auf dem Turm
überflüssig, denn erstens bestand die Kohlenanfuhr nunmehr
 aus Rohkohlen, die ohne weiteres auf den
Trichterwagen herauslaufen, und zweitens waren in der
Wäsche selbst Vorrichtungen zur Zerkleinerung der
Kohlen getroffen worden.
            
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