Die Gelehrtenfamilie Röchling
zu Saarbrücken.
Johann Gottfried Röchling, geboren am 9. September
1703 zu Kessebüren als der Sohn des
Johann Kaspar Röchling und seiner Ehefrau
Elsebene Osthoff-Koch, verwitwete von Steinen,
hatte keinen väterlichen Hof als Erbe zu erwarten,
da der Schulzenhof zu Kessebüren, an dessen Spitze
sein Vater äußerlich stand, an seinen Stiefbruder
Degenhardt von Steinen fallen mußte. Er war da:
her von vornherein gezwungen, sich sein Lebensschicksal
selbst zu schmieden. Eine hochgewachsene
Erscheinung, soll er überdies die Augen
der preußischen Werber auf sich gezogen haben,
welche einen Grenadier aus ihm machen wollten
wie aus seinen Vettern Matthias Henrich und
Johann Christoph Röchling in Holzwickede. Jedenfalls
verließ er um 1730 seine westfälische Heimat,
wanderte den Rhein, die Mosel und die Saar hinauf
und landete in Saarbrücken, der Hauptstadt des
Fürstentums Nassau-Saarbrücken, der gegenüber,
in St. Johann an der Saar, bereits Abkömmlinge
des Steeler Zweiges des Hauses Röchling Fuß gefaßt
und es als Holzflößer und später als Kohlenhändler
zu wirtschaftlicher Blüte gebracht hatten.
Beziehungen zu diesen St. Johanner Röchlings sind
jedoch nicht nachzuweisen. .
Johann Gottfried Röchling, dessen Brustbild in
Oel erhalten ist, mutet an wie eine Rembrandtsche
Figur. Das bartlose Gesicht mit seinen scharfen
Umrissen, insonderheit der gebogenen Spitznase,
schaut überlegt in die Welt. Das Auge ist fast
träumend in die Ferne gerichtet. Die knapp anliegende
Mütze, welche fast das ganze Haar verdeckt,
gibt dem Kopfe einen gewissen schlichten
Zug. Das Antlitz trägt bereits den Stempel neu
zeitlicher Geistigkeit, wie er sich nur in den geistig
führenden Kreisen des achtzehnten Jahrhunderts
findet. Er war ein selbständiger Mann und ging
seine eigene Bahn. In ihm war neben der Wirtschaftlichkeit
des Bauern auch die gelehrte und religiöse
Neigung des Hauses Röchling lebendig.
welche sich schon im sechzehnten Jahrhundert durch
das Studium der Theologie gezeigt hatte. Nur hatte
die gelehrte Neigung eine technische Richtung, und
vestätigte sich der religiöse Zug mehr in seinem
häuslichen Leben als in seiner Berufsrichtung. Eine
Pfarrerstochter ward sein Weib. 1735 verheiratete
er sich mit der achtzehnjährigen Tochter des luthe
rischen Pfarrers zu Bischmisheim, Katharina Elisavetha
Beltzer, welche am 15. April 1717 geboren
war. Er trat in die Dienste seines neuen Landesürsten
als Beamter der Rechnungskammer, aber
mit ausgesprochenen bergmännisch-technischen Neigungen.
Er hatte zweifellos eine gewisse industrielle
Begabung, wenn ihm auch der ertragswirtschaft:
liche Wagemut großen Stiles und der ertragswirtschaftliche
Geist höchster Ordnung fehlten. Das
ertragswirtschaftliche Können stand bei ihm im
Banne einer gewissen bürokratischen Gedanken--ichtung