Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

7. Das Stahlwalzwerk Völklingen.
Der Uebergang vom reinen Puddel- und Walzwerk
zum Hochofenwerk in den ersten Jahren unter Röchlingscher
 Leitung hatte den Betrieb der Völklinger
Eisenhütte völlig umgebildet. Kaum war der Ausbau
des Werkes als eines Hochofenwerkes beendet, da kam
unter dem Zwang der Verhältnisse der Uebergang von
der Schweißeisenerzeugung zur Stahlerzeugung, welcher
abermals eine weitgehende Neueinrichtung des größten
Teiles des Werkes, und zwar vor allem die Walzwerksanlagen
 zur Folge hatte, indem diese für ihre neuen
Aufgaben angemessen ausgestattet werden mußten.
1890 wurde mit dem Umbau und der Ergänzung der
alten Straßen begonnen. Am 31. Dezember 1890 war
die Stahlwalzwerksstraße VI, welche mit Straße V zusammen
 hinter das alte‘ Schweißeisenwalzwerk verlegt
wurde, soweit fertiggestellt, daß eine Probewalzung vorgenommen
 werden konnte. Es wurden an diesem
Tage zwei Blöcke I 260 mm gewalzt. Es zeigten sich
dabei jedoch am Ofen, an der Blockausziehmaschine
sowie an verschiedenen anderen Einrichtungen Mängel.
Nachdem sie abgestellt waren und der Plattenbelag
in Ordnung war, konnte nach einigen weiteren Versuchen
 im März 1891 der Betrieb endgiltig aufgenommen
 werden. Straße V, hauptsächlich zur Herstellung
 kleinerer Betriebe bestimmt, wurde im März 1892
betriebsfertig. Beide waren Trägerstraßen. von 750 und
830 mm. Der Dampf für sie wurde den Stahlwerkskesseln
 entnommen. 1893 brachen beim Walzen von
Platinen 200 mm auf Straße VI Maschinenspindel und
Schwungrad, und es mußte diese Straße wieder fast
zwei Monate stillgelegt werden. Im Jahre 1898 wurde
die eine der Walzenzugsmaschinen zur Kompoundmaschine
 umgebaut und die andere durch höheren
Dampfdruck auf höhere Leistung gebracht, sodaß seitdem
 die Gesamtleistung 7000 Pferdekräfte betrug. Um
die Leistungsfähigkeit der Straßen zu erhöhen, wurden
dieselben 1903 mit Rollgängen vor und hinter dem
Walzengerüst versehen, was die Erzeugung wesentlich
arhöhte. Der Umbau wurde ohne Betriebseinschränkung
durchgeführt, indem ein Trägerrost mit Blechbelag als
Arbeitsbühne hergestellt wurde, unter dem die Gründungsarbeiten
 für die Rollgänge vorgenommen werden
konnten. Beide Straßen arbeiteten von vornherein als
Wechselstraßen. Stets war nur eine von ihnen in
Betrieb, während bei der anderen die Walzen gewechselt
 wurden. Zum Wechseln der Walzen wurde
1903 ein elektrischer Kran mit zwei Katzen von 30
and 5 Tonnen Tragkraft beschafft.
Im Anschluß an. die Errichtung des Stahlwerkes
wurden im Jahre 1892 die Straßen I und II, auf
lenen bis dahin nur Schweißeisen größerer Abmessungen
hergestellt worden war, so umgebaut, daß man auch
Feineisen darauf walzen konnte, und zwar wurden von
da an auf ihnen Eisen wie D von 5—58 mm, ID von
7—58 mm, flach 10—60 mm, kleine Winkeleisen usw.
gewalzt. Die zu den Straßen I und II gehörenden
Vefen wurden nach dem Umbau dieser Straßen abgerissen
 und stattdessen neue mit Generatorgasbetrieb
errichtet. 1899 brannte das Maschinenhaus der Straßen
I und II ab wodurch der Betrieb eine Unterbrechung erlitt.
 Im Jahre 1906 wurden die Anlagen der Straßen III
und IV einer großen Veränderung unterworfen. Anstelle
der alten nicht mehr leistungsfähigen Oefen wurden große
Halbgasöfen mit automatischer Einstoßvorrichtung gebaut.
 Durch Einbau neuer Wippen wurde die Leistungsfähigkeit
 der Straßen bedeutend erhöht, und die Zurichtereien
 wurden nach den neuesten Erfahrungen ein-
            
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