lage auf Tochterniederlassungen an der Mosel zu
stützen suchen, welche mit Ruhrkoks zu wirtschaf-‘en
vermochten, weil sie nicht wie die Saarwerke
3 Mk. Fracht auf den Erzen zu einer Tonne Roheisen
am Hochofen liegen hatten. Die Dillinger
Hüttenwerke erzeugten bereits seit geraumer Zeit
all ihr Roheisen in Redingen, die Burbacherhütte
seit den sechziger Jahren einen Teil des ihren in
Esch in Luxemburg, die Firma Gebr. Stumm seit
1890 einen Teil in Ueckingen an der Mosel. Wenn
die Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke nicht
hinter den anderen Werken in ihrer Fertigerzeugung
zurückbleiben wollten, so blieb ihnen nichts
übrig, als diesen auf dem Wege zu folgen. Karl
Röchling hatte diese Zukunftsentwicklung weit voraussehend
sehr früh erkannt. Bereits im Jahre
1889 hatte er als Pachtgut Cassion bei Diedenhofen
für die Firma Gebr. Röchling in Saarbrücken
zwecks Anlage eines Hochofenwerkes erworben.
Das Pachtgut umfaßte Ländereien in Größe von
100 ha auf den Gemarkungen der Gemeinden
Diedenhofen, Ueckingen und Illingen. Acht Jahre
lag das Gut unbenutzt zu dem Zwecke, dem es
zu dienen bestimmt war. Da brauchte Völklingen
mehr Roheisen. Vom staatlichen Bergbau war unter
keinen Umständen mehr Kokskohle zu erhalten.
Dazu kam der steigende Bedarf der Firma Gebr.
Röchling in Ludwigshafen nach Handelsgießereiroheisen.
Diesen in Völklingen zu befriedigen,
daran war nicht zu denken, wo die Hochöfen nicht
genug Thomasroheisen zu machen vermochten. Das
Luxemburger Roheisensyndikat, mit dem die Firma
aebr. Röchling sonst in regelmäßigen Handelsbeziehungen
stand, suchte vielmehr eine die Inter-3ssen
der Firma Gebr. Röchling schädigende Ver-:eilung
des KGießereieisenabsatzes vorzunehmen.
Dies führte zu dem Bruche der Beziehungen zwischen
dem Syndikate und der Firma Gebr. Röchling,
und es blieb kein anderer Ausweg als der
Bau eines zweiten Hochofenwerkes. Karl Röching
schritt augenblicklich zu ihm. Am 23. August
1897 fand der erste Spatenstich zur Errichtung
der neuen Hochofenanlage statt, welche zu Ehren
Karl Röchlings den Namen ‚Carlshütte‘‘ erhielt.
Der Bau der ganzen Anlage und die Leitung des
Betriebes lagen in den Händen seines Sohnes Hermann
Röchling. Am 22. Dezember 1898 konnte
der erste Hochofen und am 21. März 1899 der
zweite Ofen in Betrieb genommen werden. Während
der zum Betrieb nötige Koks zuerst vom Kohlensyndikat
in Westfalen geliefert wurde, konnte der
Hauptteil der Erze aus den eigenen Gruben, zunächst
allerdings nur über die Reichseisenbahn, bezogen
werden. Zur Frachtersparnis wurde nachher
eine 5 km lange Normalspurbahn nach dem Karlstollen
bei Metzingen gebaut, auf welcher am 22.
September 1900 der erste Erzzug in großen Selbstantladerwagen
mit 50t Tragfähigkeit zur Carlshütte
überführt wurde. Bis 1901 wurde der Gebläsewind
auf der Carlshütte noch durch zwei
große Gebläsemaschinen von Ehrhardt und Sehmer
von je 1200 cbm Minutenleistung erzeugt. Eine
Besonderheit des Hochofenwerkes war eine
amerikanische Gießmaschine, welche das lästige
Zerschlagen der Roheisenmasseln zum Zwecke der
Verschaffung unnötig machte. Da die Erzeugung
der beiden Hochöfen auf der Carlshütte damals
den wachsenden Bedürfnissen Völklingens und der
Händlerfirmen Röchling nicht genügte, wurde in
den Jahren 1900 bis 1902 zur Errichtung zweier
weiterer Hochöfen auf der Carlshütte geschritten.