;j; Die Hocheofenanlage Völklingen.
Schon ehe die eigene Altnettegewinnung soweit
vorgeschrnuüen war, daß ste die Grundlage eines
regelrechten Hochefenbetriebes hütte bilden können,
wurde in Völklingen zum Hochefenbetriebe
übergegangen. Für denselben war nicht weniger als
alles neu zu beschaffen. An Dampfmaschinen waren
1881 vorhanden: eine Luppenmaschine zum Betricb
der Luppenstraße, vier Walzenzugmaschinen und
zwei Wasserpumpen. Nachdem am 2. Juli 1882
der Grundstein zu dem ersten Hochofen gelegt
worden war, wurde dessen Bau aufs eifrigste gefördert.
Am 13. August 1883 konnte er bereits
angesteckt werden. Er war 16,5 m hoch, hatte
vier Formen und wurde durch zwei Gebläsemaschinen,
die seitwärts der Gießhalle des Ofens! standen
und 350 Pferdekraft hatten, betrieben. Die Winderhitzung
geschah durch Wärmeapparate, welche
teils durch Gas, teils durch Kohle erhitzt wurden.
Der Bau des Ofens war ohne Eisenkonstruktion.
Das Rauchgemäuer des Ofens bestand aus gebrann-;en
Ziegelsteinen. Er war auf 200 cbm Inhalt berechnet,
um täglich 80 bis got Eisen zu erzeugen.
Es war der größte Hochofen, den man bis dahin
an der Saar zu bauen gewagt hatte. Er hatte
weder Schlackenwagen noch Schlackengranulierungseinrichtung.
Man ließ die Schlacke in Löcher
neben dem Ofen laufen und benutzte die so entstandenen
Schlackenstücke zur weiteren KEinebnung
des Hüttengeländes. Dafür hatte der Hochofen
jedoch ein Anschlußgleis an die Eisenbahn.
Nach einem Jahre wurde mit dem Bau des zweiten
Ofens begonnen, der am 3. Oktober 1885 in Be-:rieb
kam. Derselbe war ı8 m hoch und sein
Schacht von einem Blechmantel umgeben. Er hatte
sechs Formen. Mit ihm wurden die dritte Gebläsemaschine
von 500 Pferdekraft und die ersten
Towperapparate gebaut. Die Wärmeapparate des
ersten Ofens wurden gleichzeitig durch Cowperapparate
ersetzt. Die Maschinen, die sich‘ bis dahin
in‘ zwei Maschinenhäusern befunden hatten, wurden
nun in einem Maschinenhause an der Bahn vereinigt,
dem jetzigen Dampfmaschinengebläsehaus.
Ofen IT erhielt eine Schlackengranulierungsanlage,
welche den damit erzeugten Schlackensand in Wagen
‘aufen ließ. Das Sandbecken wurde bei dem Bau der
Drahtseilbahn mitgebaut, welche am 1ı. Oktober
[888 in Betrieb kam. Solange beide Oefen die
einzigen waren, erzeugten sie nur Puddelroheisen,
das ausschließlich in der Hütte selbst verarbeitet
wurde. Am 24. Februar 1888 wurde der dritte
Öfen angeblasen, der 16 m hoch war und 324 cbm
Rauminhalt hatte. Dieser war der erste mit Eisenxonstruktion
und hatte fünf Formen. Mit dem Bau
dieses Ofens wurden Gebläsemaschinen und Kesselanlage
nach ihrem jetzigen Standort verlegt, um
für den Bau des vierten Ofens Platz zu gewinnen.
Seit der dritte Ofen im Betrieb war, erzeugte er
Puddeleisen, dafür wurde Ofen I auf Gießereisisen
eingestellt, das nur zum kleineren Teile selbst
verbraucht wurde. Der größere Teil wurde als
xießereiroheisen in den Handel gebracht.
Die Erzeugung von Puddelroheisen und
ießereiroheisen betrug:
rahr Puddeleisen Gießereiroheisen
1883 9663
1884 31625
1885 39 164
886 61 220
1887 69 265
‚888 90 003