Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

Eisenwerk in Arbeit. Im September 1885 zog die
Hütte Lohnkräfte aus Ars an der Mosel heran,
welche durch die Einstellung der dortigen Eisenhütte
 brotlos geworden waren, und beschäftigte sie
zum größten Teile in dem neuen Puddelwerke,
das im Oktober den Betrieb eröffnete.
Zwischen der Hüttenleitung und den Handkräften
 des Unternehmens entwickelte sich in demselben
 Maße, wie die ausländischen Handkräfte
abgestoßen wurden, ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis,
 das sich stark genug erwies, um selbst
'n erregten Zeiten Klassenkampfgedanken und Klassenkampfgelüste
 niederzuhalten. Als im Mai 1889
die staatlichen Saarkohlenbergleute den ersten Klassenkampf
 veranstalteten, erließ die Hüttenleitung
am 25. Mai 1889 folgenden Anschlag: „Arbeiter!
Wie Ihr wisset, hat ein Teil der Bergleute unserer
Bezirke trotz des weitgehenden Entgegenkommens
der Bergwerksdirektion die Arbeit niedergelegt. Um
zu verhindern, daß auch Ihr durch Mangel an
Rohmaterial Eure Arbeit und Euren Verdienst verlieret,
 werden wir nicht vor den größten Opfern
zurückschrecken, den Betrieb für die nächste Zeit
aufrecht zu erhalten. Wir erwarten von Euch, daß
[hr unsere Bemühungen, Euch zu helfen, durch
Fortsetzung Eures seitherigen musterhaften Betragens
 belohnen und Euch dem Staate und uns gegenüber
 für die Zukunft als treue Arbeiter bewähren
werdet. Eisenwerk Völklingen, den 25. Mai 1889.‘
Die vorhandenen Anlagen waren wohl brauch:
bar, aber nicht mehr technisch auf der Höhe, und
lie mit ihnen mögliche Arbeitsteilung war keine
genügend kraftwirtschaftliche. Sie waren ferner zu
klein, um die Generalunkosten zu tragen, welche
auf einem Puddel- und Walzwerk lagen. Die erste
Erweiterung der Erzeugungsanlagen galt daher dem
Puddelwerke. 1883 wurden 8 Puddelöfen mit acht
Dampfkesseln und zwei Gaspuddelöfen mit Vorherden
 und mit unterirdischer .Generatorenanlage
erbaut. Zwei alte Puddelöfen wurden beseitigt und
durch zwei Schweißöfen ersetzt. 1885/86 folgten
weitere 23 Puddelöfen mit ı1ı Dampfkesseln, zwei
Luppenstraßen mit zwei Luppenwalzenzugmaschinen
 und vier Dampfhämmer. In den folgenden
Jahren wurde sodann das Puddelwerk weiter vergrößert
 bis auf die stattliche Anzahl von 59 Oefen
und 8 Dampfhämmern. Zur Bewältigung der wachsenden
 Mengen Rohluppen wurden 1885 dann zwei
weitere Luppenstraßen mit gemeinsamem Antrieb
angelegt in Verlängerung der Straße I nach den
neuen Hochöfen zu. Sie wurden so gebaut, daß
ihnen die Straße I als Reservestraße dienen konnte,
bis sie später zum Auswalzen von Schweißeisen
benutzt wurde. Gleich bei der Uebernahme des
Werkes: wurde der Entschluß gefaßt, die Duowalzen
 in Triowalzen umzuändern. Die alten Duowalzen
 wurden verbraucht und durch Triowalzen
mit den Maßen 560 und 640 mm ‘Ballendurchmesser,
1750 mm Ballenlänge, 300 mm Laufzapfendurchmesser
 und dreiblättrigen Treffern ersetzt. Dazu
wurde sofort der Bau einer Straße IV in Angriff
genommen. Zehn Monate nach dem ‘Erwerb des
Werkes kam sie bereits in Betrieb. Es ist die
heute noch bestehende Straße IV. Gewalzt wurden
 auf ihr | ——[ 80 bis 300 mm und |———
57 bis 260 mm. 1883 und 1884 wurde gleichzeitig
eine größere Neuanlage zur Herstellung schwerer
Profile geschaffen. In einer neuen Halle wurden
zwei Straßen V und VI gebaut, erstere Triostraße,
letztere Reversierstraße. Gewalzt wurden auf ihnen
die Profile |—-—[ 150 bis 550 mm, I——LF ı60
            
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