Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

der kleinen Platinen stand eine Halle mit den erforderlichen
 Scheren und für die Aufmachung des
fertigen Eisens eine Halle mit kleineren Adjustagemaschinen,
 einer Dampflokomobile, einer Bohrmaschine
 und einer Richtpresse zur Verfügung.
Eine mechanische Werkstätte mit einer Bohrmaschine,
 einer Hobelmaschine, einer Drehbank,
zwei Walzendrehbänken mit den nötigen Dampfkesseln
 und Transmissionen und an der Saar eine
Wasserstation mit Pumpe und Dampfkessel vervollständigten
 (lie Einrichtung. Das Werk stand still und
lcer. Keine Flamme flackerte in ihm, und kein Arm
regte sich für den Betrieb. Die gelernten Handkräfte
des alten Betriebes hatten sich verlaufen. Es handelte
 sich zunächst darum, was mit dem Werke
gzeschehen sollte. Das Thomas-Gilchristverfahren,
welches gestattete, aus phosphorhaltiger Minette im
basischen Konverter einen billigen Stahl zu erblajen,
 war bereits vorhanden. Der Hörder Bergworksverein,
 der cs erworben hatte, machte im Herbst
1879 Versuche damit, und dabei gelang es ihm,
2s so auszubilden, daß auch die schlechtesten Erzsorten
 sich entphosphoren ließen. Karl Röchling
war sich schon damals über die Bedeutung des
Thomasprozesses klar und schlug seinem damaligen
Berater Siegfried Blau bereits 1882 vor, sofort ein
Thomasstahlwerk zu bauen, das die billigsten
Selbstkosten verbürge. Aber die Notwendigkeit, an
arster Stelle das damals allbekannte und geschätzte
Trägermaterial aus Schweißeisen für den Handel
zu besitzen, führte dann dazu, daß zunächst der
zukunftsreichere technische Fortschritt dem Interesse,
 sofort marktgängige Ware zu schaffen,
weichen mußte. So blieb es zunächst beim Puddelbetriebe
 und kam sogar zu dessen weiterem Ausbau.


Um die Vergrößerung des Werkes mit den geringsten
 Kosten möglich zu machen, wurde zunächst
mit ‚der Vergrößerung der Werkstätte begonnen, für
die auch noch am leichtesten Handkräfte zu haben
waren. Noch 1882 wurde eine Schmiede und eine
Gießerei erbaut. Zu der vorhandenen Wasserstation
 kam ferner noch eine zweite mit Wasserbehälter,
 zwei Pumpen und einem Dampfkessel.
Dann galt es einen Lohnarbeiterstamm zusamnenzubringen.
 Aus Belgien, Westfalen, Bur-7ach,
 Dillingen und Ars wurden Puddler,
Schweißer, Walzer und Maschinisten zusammengeholt.
 Nur Hilfsarbeiter stellte die Gegend sclbst.
Die Handkräfte, welche die Völklingerhütte zuerst
usammenbrachte, entsprachen nicht allen billigen
Anforderungen an Hauswirtschaftlichkeit und geordnete
 Geldverhältnisse. Am 27. Mai 1882 erließ der
Hüttendirektor in der Völklinger Zeitung folgende
für die damaligen Verhältnisse bezeichnende Änzeige:
 „Die Herren Kostgeber unserer Hüttenarbeiter
 ersuchen wir in ihrem eigenen Interesse,
am ı. und 15. jeden Monats ihre Kostgänger auf
unserm Büro namhaft zu machen. Ferner ersuchen
wir dieselben, sich von den Kostgängern schriftlich.
 bevollmächtigen zu lassen, daß sie rückstän:
diges Kostgeld bei der Auslohnung an der Kasse
in Empfang nehmen dürfen.‘‘ Ende 1882 hatte
die Belegschaft 450 Mann betragen, Ende 1883
betrug sie 1150 Mann. Als am 1. Juli 1884 die
Dillingerhütte ihr Eisenwerk Geislautern, das bis
dahin noch einige Puddel- und Schweißöfen zur
Herstellung von Halbzeug für Dillingen in Betricb
gehabt hatte, ganz einstellte, trat der Rest der
Handarbeiter, welcher nicht eine Ruherente erhielt
der nach Dillingen verlegt wurde, im Völklinger
            
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