Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

tigen Einzelfragen an. Sein fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum
 am 25. Februar 1894 wurde in Völklingen
 zum Volksfeste. Die meisten Häuser hatten
schon am Vorabend Flaggenschmuck angelegt, und
ein Fackelzug von 2140 Hüttenarbeitern und daran
anschließende Festtrunke füllten denselben aus. An
der Wohnung seines Sohnes Louis Röchling, der
die kaufmännische Leitung der Hütte besorgte,
empfing Karl Röchling mit seiner Familie und den
Teilhabern des Werkes den Fackelzug und richtete
an die ihn begrüßenden Hüttenleute folgende
Worte: „Meine lieben Freunde! Für die mich so
ehrenden Glückwünsche sage ich Euch meinen
tiefsten, herzlichsten und wärmsten Dank. Ich sage
Euch diesen Dank nicht allein in meinem Namen,
sondern auch im Namen sämtlicher Teilhaber
meiner Firma, die teils aus weiter Ferne heute
hierhergekommen sind. Ferner sage ich Euch
diesen Dank im Namen aller Angehörigen meiner
Familie, welche mit mir die im Laufe der Zeit
erlebten Schicksale, die guten und auch oft schlechten
 gemeinsam mitgemacht haben. Als wir vor
12 Jahren das Völklinger Werk erworben haben,
waren keine Meister, keine Arbeiter, kein Betrieb
und keine Maschinen vorhanden; das Unkraut
wuchs meterhoch, und der Portier war der einzige
Arbeiter des Werks. Um nun dieses Werk auf die
heutige Höhe zu bringen, das hat, wie Sie begreifen
können, große Opfer gekostet. Mit Liebe und gerne
haben wir sie gebracht. Kaum war das Werk aufgebaut
 und zur Herstellung von Roh- und Schweißeisen
 eingerichtet, da kam der billige Stahl, und
bald wurden wir gezwungen, vom Schweißeisen zum
Stahl überzugehen. Das kostete uns ebenfalls große
Opfer. Mein Neffe, Herr Fritz Röchling, und meine
Söhne wurden mit der Leitung betraut. Dieselben
hätten niemals den Mut haben können, alle Wandlungen
 mit durchzumachen und der mächtigen Konkurrenz
 der großen Stahlwerke die Spitze zu bieten,
wenn wir nicht hätten zählen können auf die Mitwirkung
 bei der Aufsicht durch die Meister und
auf die Arbeiter. In den zwölf Jahren haben wir
bei Euch immer treue Liebe und Hingebung gefunden,
 und dadurch sind wir imstande gewesen,
das Werk auf seine jetzige Höhe zu bringen. Aber
meine lieben Freunde, um ein so großes Werk,
wie das hiesige, überhaupt im Betriebe halten zu
können, dazu bedürfen wir auch der Fürsorge einer
mächtigen, erleuchteten Regierung. Wir wissen alle,
daß an deren Spitze ein erhabener Kaiser steht,
der ein warmes Gefühl für die Arbeiter, wie für
alle Stände hat. Er wacht mit sorgsamen Augen
üher alle, und wir wissen, daß er für alles Interesse
hat, was überhaupt zu unserem Nutzen ıst. Es
hat in diesem Herbste uns alle sehr unangenehm
berührt, wir waren alle betrübt, als wir hörten, unser
geliehter Kaiser sei in Völklingen gewesen, ohne
daß von seiner Anwesenheit jemand von uns etwas
wußte. Gerne hätten wir ihm unsere Huldigung
ausgesprochen. Ich habe mir deshalb erlaubt, in
Eurer Aller Namen an Seine Majestät zu schreiben,
laß wir damals nicht auf dem Bahnhofe gewesen
seien, weil es allgemein geheißen habe, der kaiserliche
 Zug werde auf dem Völklinger Bahnhof nicht
halten. Ferner habe ich ihm geschrieben, daß Ihr
alle patriotische, treue Männer seid, die immer zur
Regierung und zu Seiner Majestät halten. Seine
Majestät hat mir geantwortet und mir Dank sagen
lassen für die ausgesprochenen Gesinnungen, und
indem ich Euch dieses mitteile, bitte ich Euch,
mit mir unsere Treue aufs neue dadurch zu hekräf-
            
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