benachbarten Ortschaften Wehrden, Geislautern und
Fürstenhausen.‘‘ 1884 fanden sich endlich Hausunternehmer,
welche Häuser zum Vermieten bauten,
wenn auch noch nicht zugleich mit Läden. Das Eisenwerk
war trotzdem durch den Wohnungsmangel
für seine Handkräfte gezwungen, eine dritte Lohnarbeitersiedlung
zu errichten. Wohnten doch
tausend Lohnkräfte immer noch zumteil auswärts.
Der immer wachsende Zuzug von Handarbeitern
regte den Völklinger Kleinhandel erheblich an. 1885
wurden fünf Geschäftshäuser erbaut, aber zu
Wohnhäusern fanden sich immer noch nicht genügend
Unternehmer. Die Hütte ließ daher mit
der dritten Siedlung noch 29 Wohnhäuser mit 28
Wohnungen bauen und in der Nähe zwei Wohnhäuser
für Angestellte, um wenigstens diejenigen
ihrer 1300 Lohnarbeiter selbst unterzubringen,
welche mit ihren Familien von weither zugezogen
kamen. Die neue Werksvergrößerung von 1885
spiegelte sich sofort in den Wirtschaftsverhältnissen
Völklingens wieder. 1886 entstanden eine Glas-,
Porzellan- und —Branntweingroßhandlung, ein
Herrengarderobegeschäft, ein Manufakturwarengeschäft,
vier Kolonialwarengeschäfte und eine
Metzgerei. Die Kaufkraft der Lohnarbeiterbevölkerung
wuchs. Die besten Handarbeiter erreichten
Tagelöhne im Betrage von 6 Mark, während die
niedrigsten Handlangertätigkeiten mit 2,20 Mk. gelohnt
wurden. Dabei wurden jedoch nur etwa zwanzig
Schichten im Monat gemacht, was erst 1887
wegfiel. 1888, wo die Zahl der beschäftigten Lohnkräfte
2300 betrug, betrug der Durchschnittslohn
3.20 bis 3.50 Mk.
Der nächste große Schritt, welchen das Werk
tat, war der Uebergang zur eigenen Roheisenerzeugung!
Karl Röchling hatte diesen von vornherein
ins Auge gefaßt und war 1882 bis 1885
fast unausgesetzt damit beschäftigt, entsprechende
Erzkonzessionen in der Nähe von Algringen zu
erwerben und den Erzabbau einzurichten. Am 2.
Juli 1882 fand aus Anlaß der Grundsteinlegung
zum ersten Hochofen der Hütte ein Volksfest auf
der Wiese vor der Hütte an der Wehrdenerstraße
statt. Direktor Blau richtete dabei folgende Ansprache
an die Vertreter der Firma Gebr. Röchling:
„Wenn mir heute die Aufgabe zuteil geworden
ist, Sie auf diesem Platze willkommen zu
heißen, so glaube ich meinen Herren Chefs dafür
nur dankbar sein zu dürfen. Jedem unbefangenen
Zuschauer wird sich beim Anblick des fahnengeschmückten
Platzes sicherlich der Gedanke aufdrängen,
daß hier ein bedeutungsvoller Tag gefeiert
werden soll; umsomehr dürfen wir das Verständnis
dieses Tages, meine Herren, von denen
erwarten, die hier versammelt; in erster Linie von
den Besitzern, Beamten und Leuten der Hütte, und
ebenso sehr von Ihnen, meine Herren, die Sie
die Güte hatten, durch Ihr bereitwilliges Kommen
hierher Ihre Teilnahme an unserem Unternehmen
zu dokumentieren. Viele von Ihnen haben ja dem
Aufbau des kleinen Völklinger Werkes Ihre Aufmerksamkeit
geschenkt, sind seinem kurzen Dasein
gefolgt und haben den schließlichen traurigen Zusammenbruch
miterlebt. Wie so manches andere
Etablissement brach es zusammen als ein Opfer
der Verhältnisse und der Ungunst der Zeiten. Nach
jahrelangem Stillliegen wurde es erworben durch
die Herren Gebrüder Röchling, und ich freue mich,
den Ausspruch hier wiederholen zu können, den
ein angesehener Völklinger Bürger seinerzeit getan
hat: „Es ist ein Glück für Völklingen. daß die