Teilhaberin noch die Witwe Ernst Röchling, Anna
geb. Schultz, angehörte. Der erste Leiter des Werkes
wurde der Direktor Siegfried Blau.
Das Völklinger Eisenwerk lag nicht ungünstig.
Durch die kanalisierte Saar, den Saarkohlenkanal
und den Rheinmarnekanal mit dem Erzbecken von
Nancy und mit Straßburg und dem Oberrhein verbunden,
an der Staatsbahn Saarbrücken-Trier gelegen,
in der Nähe der staatlichen Saarkohlengruben
und für die Röchlings in der Nähe der
eigenen Grube Hostenbach und der eigenen Kokerei
Altenwald gelegen, war Völklingen für ein neuzeitliches
Eisenwerk in Röchlings Händen überaus
geeignet, und bot in der Hand eines fähigen
ertragswirtschaftlichen Unternehmers alle Aussichten
auf eine kräftige Entwicklung. Allerdings war
der alte Handarbeiterstamm zerstoben und Völklingen
viel zu klein, um einen neuen zu stellen,
1871. hatte Völklingen 3123 Einwohner gehabt.
Nach der Gründung des Völklinger Eisenwerkes
war die Bevölkerung 1875 auf 4202 gestiegen. Bis
1880 hatte sie sich, da die Hütte mittlerweile stillgelegt
war, kaum weiter vermehrt gehabt und zählte
4250 Einwohner. Nach der Neuinbetriebsetzung des
Werkes durch die Firma Gebr. Röchling begann
sofort ein Aufschwung Völklingens. 1885 betrug
die Einwohnerzahl 6449, 1890 83.19, 1904 13 796 und
1906 15075. Infolge der Wiederinbetriebsetzung
und Vergrößerung der Eisenhütte wuchs 1883 bereits
das geschäftliche Leben Völklingens. Auf der
Hütte arbeiteten 620 Mann und verdienten in der
Schicht '2.80 bis 2.90 Mk. Da man keine Feierschichten
kannte, kam die einzelne Handkraft auf
25 bis 26 Schichten im Monat. An den Neubauten
der Hütte arbeiteten weiter 250 Mann mit nur
wenig geringerem Lohne, da noch alles im Neubau
begriffen war. Diese Hebung des Einkommens
von rund 1000 Menschen genügte, um Handel
und Wandel einen kräftigen Anstoß zu geben.
Die Anzahl der Handelsgeschäfte vermehrte sich
um mehrere. Bei den anderen wuchsen Umschlag
und Ertrag. Infolgedessen gingen die Klagen über
die Konsumvereine der Bergarbeiter zurück. Die
Handwerker waren voll beschäftigt. Bäcker, die
früher täglich einmal buken, buken jetzt dreimal.
Das Geschäft der Metzger besserte sich zusehends.
Von den sechs Metzgern des Ortes klagte
keiner mehr. Dagegen fand sich unter den Völklinger
Hausunternehmern nicht genügender Unternehmungsmut,
um neue Mietswohnungen für die
zu erwartende zunehmende Lohnarbeiterbevölkerung
zu erbauen. Daher mußte die Firma Gebr. Röchling
eingreifen. Eine kleine Lohnarbeitersiedlung
in Hüttenhäusern war bereits 1882 gebaut. Auf
einem von der Gemeinde erworbenen Gelände begann
sie mit dem Bau einer zweiten Lohnarbeitersiedlung.
Am 13. Oktober 1883 berichtete der Bürgermeister
an seine vorgesetzte Behörde: „Hier in
Völklingen sind die Wohnungen äußerst gesucht.
Durch das Aufblühen des Eisenwerkes und die
immer größer werdende Anzahl der Hüttenarbeiter
sind kleine und mittlere Wohnungen alle besetzt
und fast nicht mehr zu haben. Die größeren Wohnungen
haben die Beamten des Eisenwerkes besetzt,
sodaß heute eine größere Wohnung überhaupt
nicht: zu mieten ist. Die Besitzer des Eisenwerkes
haben im vorigen Jahre 22, im laufenden 26 Wohnungen
für ihre Arbeiter erbaut, ohne dadurch
aber der Wohnungsnot im geringsten abgeholfen
zu haben. Ein großer Teil ihrer Arbeiter konnte
hier gar keine Wohnung finden und wohnt in den
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