Karl Röchling sah wohl, daß seine Firma die Sache
allein in die Hand nehmen müsse, wenn überhaupt
etwas aus ihr werden sollte.
Seit langen Jahren wurde die Zeit wieder etwas
günstiger zur Aufnahme der Eisenverarbeitung.
Die Burbacherhütte hatte im Dezember 1879 einen
neuen Hochofen angeblasen und ließ diesem 1880
einen weiteren folgen. Die Halbergerhütte war Anfang
1880 so beschäftigt, daß sie ebenfalls einen
weiteren Hochofen in Betrieb setzen mußte. Am
14. Januar 1880 waren in Neunkirchen wieder sämtliche
Hochöfen im Betriebe und das Eisenwerk
St. Ingbert machte Anstalten, ebenfalls wieder einen
Hochofen anzublasen. Aus Lothringen und Luxemburg,
vom Niederrhein, aus Belgien, Frankreich
und Oesterreich kamen ähnliche Nachrichten. In
Hayingen baute man im Oktober 1880 die erste
Thomasbirne. Die Quint bei Trier, die lange Zeit
von. ihren 5 Hochöfen nur einen einzigen ın Betrieb
gehabt hatte, arbeitete im Oktober 1880 wieder
mit dreien. In Neunkirchen nahm Karl Ferdinand
Stumm im August 1881 zweihundert neue
Handkräfte in Lohn, um sein neues Stahlwerk in
Betrieb nehmen zu können. Wenn je, so mußte
der Kauf, Uebernahme und Inbetriebsetzung des
Völklinger Eisenwerkes jetzt erfolgen. Entschlossen
schritt Karl Röchling zur Tat. Die Firma Gebr.
Röchling kaufte am 7. und 8. August 1881 die
Völklinger Eisenhütte mit allem Zubehör, wie dieselbe
am 27. Juni an die Firma Gebr. Haldy übergegangen
war, mit Ausnahme der Eisensteinkonzessionen,
zu 270000 Mk. Auf die fünf Eisensteinkonzessionen
behielt sich die Firma Gebr. Röchling
zwar ein Vorkaufsrecht vor, aber ihre Mehrzahl
erschien ihr nicht eisenreich genug, um das Schicksal
ihrer Hütte an sie zu binden. Karl Röchling
schloß den Kauf ab und teilte es seinem Bruder
Theodor mit, der gerade in Blankenberghe weilte.
Theodor antwortete ihm am 8. August: „Dein Brief
enthält wirklich eine große Neuigkeit, und erfahre
ich aus demselben, daß Du versucht hast, soviel
es möglich war, wohlfeiler als 270000 Mk. anzukommen,
und wenn ich auch gewünscht hätte,
die Erzkonzessionen noch‘ dabei zu haben selbst
mit etwas mehr Geld, muß man sich auch so zufrieden
geben. Denn Völklingen in anderen Händen
zu sehen, hätte mich geärgert, und nach all
dem Treiben des Sichel wäre ein anderer Verkauf
ohne uns doch zustande gekommen. Das Werk
wieder zu verkaufen, bin ich‘ nicht der Ansicht,
glaube vielmehr, daß die Zukunft sich so gestalten
muß: Ausarbeitung von Plänen zum Inbetriebsetzen,
derart, daß durch stärkere Maschinen der Uebergang
zum Stahlwalzen möglich wird, wenn es nötig;
Suchen nach Hochofenerzen, um sich später frei
von den Roheisenleuten zu machen und nicht von
diesen den Hals zugeschnürt zu bekommen. Tetzt
Unterhandlungen mit Blau wegen Uebernahme der
Direktorstelle und Ruhenlassen aller definitiven Entscheidungen
bis nach Deiner Rückkehr Ende September.
Wenn mit Blau jetzt schon ein Abkommen
getroffen werden könnte, wäre gut, um ihm
die Kündigungszeit nicht zu sehr hinauszuschieben,
da doch ein zu langes Stilliegen nichts hilft.“ Am
26. August 1881 übernahm die Firma Gebr. Röchling
das Eisenwerk Völklingen. Es wurde von ihr
mittelst einer offenen Handelsgesellschaft betrieben,
unter der Firma Völklinger Eisenwerk Gebr. Röchling,
Völklingen, deren tätige Teilhaber Theodor
Röchling, Karl Röchling und Fritz Röchling, Kaufleute
zu Saarbrücken, waren. während ihr als stille