Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

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folgenden Jahren wurden Schweißöfen und ein
Formeisenwalzwerk gebaut und betrieben und Erz-‘elder
 erworben. Aber das Geschäft ging schlecht.
Seit dem jähen Aufhören der Hochkonjunktur von
1873 lag die ganze deutsche Eisenindustrie wieder
lahm, und als ihr die folgenden Jahre einen Bruchteil
 ihrer Schutzzölle nach dem anderen wegnahmen,
 kam sie nahe ans Erliegen. 1876 hatte die
Völklinger Eisenhütte, Aktiengesellschaft für Eisenindustrie,
 trotz der üblen Lage noch ihre sämtlichen
 Betriebsmittel, elf Puddelöfen und fünf
Schweißöfen im Betriebe. Die Anzahl der Hüttenleute
 war Anfang des Jahres 369, Ende des Jahres
345. Die Erzeugung betrug 10933t Luppeneisen
ınd 9238t Walzeisen aller Art und erreichte damit
immer noch fast die Beträge des Vorjahres. Seit
1877 fand die Verwendung von eisernen Land- und
Querschwellen auf den Eisenbahnen mehr Eingang
und Völklingen begann größere Mengen derselben
herzustellen. Dagegen war die Herstellung von
eisernen Eisenbahnschienen ungefähr zu Ende, da
die Stahlschienen sich die Bahn erobert hatten.
Hatte im Anfang der hohe Preis der Stahlschienen
diesen hindernd im Wege gestanden, so warf die
Niedergangszeit denselben, und diese Preisermäßizung
 führte im Verein mit ihrer größeren Widerstandsfähigkeit
 die Stahlschiene zum Siege. Als
auch in Formeisen der Absatz durch den neuentstandenen
 lothringischen und ausländischen Mitbewerb
 ins Stocken geriet, bildeten Schwellen noch
das einzige Massenerzeugnis der Saarhütten. Zu
dieser wirtschaftlichen Bedrängnis kamen die unausgesetzten
 Beunruhigungen über die Zukunft der
südwestdeutschen Eisenindustrie überhaupt. Daß
man aus Minette keinen Bessemerstahl machen
gonnte, war bereits eine ausgemachte Sache. Bei
den zahlreichen Versuchen, die man anderwärts mit
der Verbilligung der Stahlerzeugung machte, war
es nur eine Frage der Zeit, daß eine vollständige
technische Umwälzung kam. Wer konnte hoffen,
daß sie zugunsten des Südwestens ausfallen würde ?
Allüberall suchte man die wissenschaftliche Chemie
in den Dienst der Eisenerzeugung zu stellen und
machte planmäßige Experimente. Im September
1877 ließen die größeren Werke von Niederrheinland-Westfalen,
 welche Gießereiroheisen erzeugten,
in der Gießerei der Aktiengesellschaft Union in
Essen Versuchsschmelzen mit deutschen und
schottischen Marken ausführen. Das schottische
Gießereieisen erwies sich als noch vollkommener,
aber die Versuche boten Anlaß zu einer dauernden
Verbesserung des deutschen Gießereiroheisens. Das
arachte auch noch die südwestdeutsche Gußeisenerzeugung
 in Gefahr. Im Anschluß daran sandte
Seebohm der Völklinger Zeitung unterm 15. Sept.
1877 eine Mitteilung über die Sache, welche mit
folgenden Ausführungen schloß: „Sollten sich
hieran die an der Saar und Mosel gelegenen großen
Eisenwerke nicht ein Beispiel nehmen und sich
zleich den _rheinisch-westfälischen Hochofenanlagen
 zusammentun und endlich einmal praktische
Versuche anstellen, ob es denn nicht auf die eine
oder andere Weise möglich ist, aus Luxemburger
oder Lothringer Erzen bez. Roheisen Bessemerstahl
 zu machen ? Natürlich ist an die Verwendung
von purem Minetteeisen für die Stahlfabrikation
nicht zu denken; aber wenn man am Niederrhein
und in Westfalen Erze zum Bessemern aus Spanien
und Algier beziehen kann, dann rentiert sich doch
am Ende auch, nach Lothringen, Luxemburg oder
an der Saar nassauische oder siegensche Erze als

ZZ
            
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