Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

„Wenn das Königlich Preußische Staatsministerium
 die Vermutung einer Einwirkung
der Mosel- und Saarkanalisierung auf die
preußischen Eisenbahneinnahmen wesentlich
mitbestimmend für seine feindselige Haltung
gegen die Kanalisierung dieser Flüsse sein
läßt, während es bei allen anderen Kanalvorlagen
 diesen Einwand als vollständig hinfällig
abgewiesen hat, so bedauern die Vorstände
nicht nur, daß das Saargebiet mit anderem
Maße gemessen werden soll als alle anderen
Landesteile, sondern sie würden noch' weit mehr
den in diesen Ausführungen enthaltenen Gedanken
 bedauern, daß die Rücksicht auf staatlıche
 Verkehrsmonopole künftig zum Hemmschuh
 der wirtschaftlichen Entwicklung wichtiger
 Wirtschaftsgebiete werden soll. Wenn
dieser in der Entschließung des Staatsministeriums
 ausgesprochene Grundsatz allgemein
maßgebend werden soll, dann wird die wirtschaftliche
 Entwicklung des Landes schwere
Tage vor sich sehen, und dann werden nur noch
Kanäle gebaut werden dürfen. welche unrentabel
 'sind.““
„Das, meine Herren, ist ganz meine Auffassung.
 Der Südwesten hat niemals — ich habe den
grundlegenden Verhandlungen in Köln damals beigewohnt
 — erklärt, daß er es für erforderlich halte,
daß die Selbstkosten einheitlich festgestellt werden
müssen, und ich selbst habe bei aller und jeder
Gelegenheit immer wieder betont, daß ich diese
Kommissionsbildung zur Ermittlung der Roheisenselbstkosten
 für eine vollkommen überflüssige
hielte, daß es gar nicht möglich sein würde, diese
Doktorfrage zu lösen, daß es auch' nicht erforderlich
 sei, ‚sie zu lösen, und zwar um deswillen, weil
die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung die unzweifelhafte
 enorme‘ Ueberlegenheit des Nordwestens
 über den Südwesten für jeden, der nur
Augen hat, zu sehen. als klar zutage liegend aufweist.

Aber, meine Herren, nun hat die Staatsregierung
 diese Ermittlung für erforderlich gehalten, und
diese Ermittlung hat zu keinem Ergebnis geführt.
Was will die Staatsregierung nun weiter tun? Will
sie dasitzen, die Hände in den Schoß legen und
abwarten, bis die Herren aus dem Nordwesten so
freundlich und liebenswürdig. sind, zuzustimmen,
daß Saar und Mosel kanalisiert werden? Ich
glaube, da kann sie vielleicht bis an den Nimmerleinstag
 warten. Bei allen anderen Kanalprojekten
ist die Staatsregierung auch durchaus anders verfahren.
 Zum Beweise dafür diene, daß die Indu-‚striellen
 des Südwestens seinerzeit in zahlreichen
Eingaben und Denkschriften aller Art darauf aufmerksam
 gemacht haben, wie der alleinige Bau des
Hannover-Rheinkanals tür den Südwesten verhängnisvoll
 werden könnte. Die Staatsregierung hat sich
aber um diese Eingaben nicht gekümmert, sondern
einfach den Beschluß gefaßt, den Hannover-Rheinkanal
 bauen zu lassen ohne Rücksicht auf die Interessen
 des Südwestens. Wenn der Südwesten nun
aber seinerseits kommt und verlangt, daß für ihn
Kompensationen geschaffen werden sollen, dann
stellt sich die Staatsregierung auf den Standpunkt,
daß nur eine einwandfreie Ermittlung der Selbstkosten
 von Roheisen sowohl als der Selbstkosten
überhaupt die Grundlage sein könne, auf der die
Kanalisierung vielleicht bewilligt werden könne. Das
ist eine derartige Disparität der Behandlung, daß
ich nur den äußersten Widerspruch dagegen er-
            
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