Geist in der Ertragswirtschaft die Bedeutung des
Stummschen Standpunktes schätzen lernen. Außerdem
aber hatten sie in der öffentlichen Meinung
des Saargebietes in der Mosel- und Saarkanalisierungsfrage
einen bedingungslosen Sieg davongetragen,
der dadurch gekrönt wurde, daß selbst
Stumms altes unbestrittenes Reich, die neue Handelskammer
Saarbrücken, und mit ihr Stumm selbst,
sich unter bestimmten Voraussetzungen für die
Mosel- und Saarkanalisierung aussprach. Der politische
Freisinn hatte überdies wie im ganzen Deutschen
Reiche so auch in den Saarstädten wesentlich
an Boden verloren, und in den führenden
Schichten des Volkes war ein deutlicher Zug nach
rechts hervorgetreten. Die gemeinsame Gefahr
einer Ueberspannung der Klassenversicherung des
deutschen Reiches, einer Bevorrechtung der handarbeitenden
Klassen und einer Entfesselung der
Leidenschaften der unteren Volksschichten begann
das deutsche großgewerbliche Unternehmertum zusammenzubinden.
Das -deutsche Wirtschaftsgebiet
war ein Reich geworden, das fast sich selbst genügte
und das die Einfuhr nur noch als wirtschaftliche
unvermeidliche Notwendigkeit und die Ausfuhr
an erster Stelle als Ventil bei inländischer
Uebererzeugung von Waren betrachtete. Damit
die wirtschaftlichen, politischen und geistigen
Gegensätze zu Grabe getragen, welche einst beide
Firmen und ihre Häupter getrennt hatten. Beide
waren edel genug, unter diesen Umständen noch
die alte Feindschaft zu begraben. Zwischen den
Häuptern und den Firmen kam eine vollständige
Aussöhnung zustande. Die Häupter reichten sich
die Hände, und die Firmen tauschten die Sperrgrundstücke
aus, welche sie sich einstmals wechselseitig
in den Weg gelegt hatten. Die Eisenfirmen
des Hauses Röchling schlossen sich 1900
dem Verein zur Wahrung der gemeinsamen‘ wirtschaftlichen.
Interessen der Saarindustrie und der
Südwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisenund’
Stahlindustrieller an. Karl Röchlings Sohn,
Louis Röchling, wurde zunächst der stellvertretende
Vorsitzende der letzteren und dann ihr Vorsitzender.
Damit war auch äußerlich der Zwiespalt innerhalb
der Saareisenindustrie beseitigt, und es setzte
sehr bald eine gemeinsame tatkräftige Interessenvertretung
ein. Freiherr von Stumm-Halberg bezeichnete
selbst in seimer Sterbewoche den dritten
Sohn seines alten Gegners Karl Röchling, den er
zu sich auf Schloß Halberg eingeladen hatte, als
seinen Nachfolger in der Führung der Saarindustrie,
und dieser wurde auch als Stumms Nachfolger noch
"901 vom König in den Landeseisenbahnrat berufen.
Die Kanalvorlage von 1901 enthielt zwar die
Mosel und Saar nicht, aber sie fiel auch im Abgeordnetenhause.
Da erlebte Karl Röchling endlich
den Triumph, daß sich die preußische Regierung
zum zweiten Male entschließen mußte, Erhebungen
über die voraussichtliche Wirkung der Mosel- und
Saarkanalisierung anzustellen. Im September 1901
ordnete der Regierungspräsident zu Trier diese Erhebungen
an, und zugleich wurde der damalige
Wasserbauinspektor Werneburg in Saarbrücken
nach Trier berufen, um dort ein neuzeitliches technisches‘
Projekt der Mosel- und Saarkanalisierung
für Sechshunderttonnenschiffe auszuarbeiten. Das
Gutachten, welches die Handelskammer Saarbrücken
im November 1901 abstattete, schloß mit
den Worten: „Wir glauben uns der Hoffnung hingeben
zu dürfen, die Hohe Königliche Regierung
in Trier werde ihren Einfluß dafür einsetzen daß