Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

siert werden sollten und daß im Falle einer Schädigung
 der Saar-, Lahn-, Dill-, Sieg- und Aachener
Gegend durch die Kanalisierung diese anderweite
Frachtermäßigungen erhalten sollten. Stumm gab
darum den Kampf noch lange nicht auf. Er berichtete
 im Jahresbericht der Kammer für 1890:
„Die Moselkanalisierungsfrage hat im Berichtsjahre
keinen Schritt vorwärts getan. Das Ergebnis der
am 24. und 25. Februar in Koblenz abgehaltenen
Konferenz der Interessenten war nicht danach angetan,
 die Notwendigkeit der Kanalisierung im Interesse
 der niederrheinisch-westfälischen Industrie
und Kohlenzechen nachzuweisen, noch auch die Befürchtungen
 der protestierenden Bezirke zu entkräften.
 Da es insbesondere den Ruhrzechen inzwischen
gelungen ist, die Preise für Kohlen und Koks mit
Hilfe der Verkaufsvereinigungen auf einer Höhe
zu halten, welche eine glänzende Rentabilität gewährleistet,
 so kann für diesen Teil der Kanalinteressenten
 von einem Notstande, zu dessen Hebung
die Kanalisierung geboten wäre, nicht mehr die
Rede sein. Die vermeintliche Notwendigkeit, die
niederrheinisch-westfälische Eisenindustrie in einen
erleichterten Bezug der Minette zu versetzen, ist
von dem Vorsitzenden unserer Kammer auf der
Koblenzer Konferenz widerlegt worden.‘
Im Jahre 1891 erklärten sich die Minister von
Belepsch und Miquel auf das Ansuchen der niederrheinisch-westfälischen
 Eisenindustrie bereit, die
Moselkanalisierung ungesäumt in die Hand zu nehmen,
 wenn sich die beteiligten Interessenten bereit
erklärten, einen Teil der Kosten zu übernehmen.
Am 10. Februar 1891 schrieb Karl Röchling dazu:
„Dieser Nachsatz zerstört leider in beinahe höherem
 Maße als die seitherige Stummsche Opposition
 die Aussichten auf eine nicht allzuferne Ausführung
 dieses wirtschaftlich so hochbedeutsamen
Verkehrsweges; denn die wirklichen Interessenten
desselben sind doch wohl auch nach Ansicht der
Herren Minister vorzugsweise diejenigen Firmen
und Personen, welche voraussichtlich die größten
Mengen später auf der neuen Straße transportieren
 werden. Von diesen verhalten sich nun aber,
vielleicht auf die direkte Veranlassung des Herrn
von Stumm, vielleicht aus antinationaler Gesinnung
die Enkel von de Wendel mit ihren mehr als zehntausend
 Arbeitern und der bei weitem größten
Eisenproduktion von ganz Deutschland und ebenso
die ausschließlich Belgiern und Franzosen gehörige
Burbacherhütte nebst den unter direktem Stummschem
 Einfluß stehenden an der Saar liegenden
Hütten von Dillingen und Halberg ebenso ablehnend
 wie die Firma Villeroy und Boch‘, welche in
vier an der Saar liegenden Hütten Mettlach, Wallerfangen,
 Merzig und Wadgassen die verschiedenartigsten
 keramischen und Glasproduktionen herstellt.
 Alle diese Herren haben nun, vielleicht nur
in der Voraussicht, daß das unabweisliche mächtige
westfälische Interesse dennoch mit elementarer Gewalt
 die der Kanalisierung entgegenstehenden Hindernisse
 auch‘ ohne ihr Zutun beseitigen werden,
sich unbedingt ablehnend gegen letzteren verhalten,
 ja sie als schädlich für ihre Geschäfte bezeichnet.
 Wie kann nun, und dieser Grund war
vielleicht die Ursache dieser Haltung, von ällen
diesen ein Beitrag zu einem von ihnen als schädlich
 bezeichneten Werke verlangt werden ? Ich habe
das Seite 9 meiner Moselkanalbroschüre näher ausgeführt
 und bleibt deshalb nur die Erhebung von
Kanalzöllen übrig, wenn alle Verkehrsinteressenten,
welche wie de Wendel, Burbach usw. große Mengen
            
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