Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

nen mit der Frage 5, für deren Hauptteil Karl
Röchling von seinen niederrheinischen Freunden
mit der Berichterstattung betraut worden war. Es
handelte sich darum, ob die Mitbewerbsfähigkeit
der Eisenindustrie an der Saar gegen diejenige
am Rhein und in Westfalen durch die Mosel- und
Saarkanalisierung herabgesetzt werden würde. Karl
Röchling hatte sich bereits tagszuvor zu diesem
Punkte zum Worte gemeldet, kam daher als erster
Redner zu Worte und führte zu dem fraglichen
Punkte aus:
„Wir an der Saar, wenn wir die Saar und
Mosel kanalisieren, werden in erster Linie erreichen,
daß wir den Absatz zur See, der uns heute so
außerordentlich erschwert ist, verbessern. Statt 8,5
Mark Fracht nach Antwerpen und 12,30 Mk. nach
Rotterdam hoffe ich, daß wir später Sätze bekommen
 werden, die aufgrund der Kanalisierung
der Mosel 3,5 Mk. nicht wesentlich übersteigen
werden. Wenn dies der Fall ist, dann erreicht die
Saar durch diese Sätze einen Vorteil von ungefähr
 5 Mk. bei Versendung ihrer Fertigfabrikate,
und ich glaube, daß das ein sehr erheblicher Punkt
ist. Was die Heranschaffung der Erze betrifft,
so berechnet die Reichseisenbahn ı,2 Mk.:— der
Eisensteintransport nebst Einladen und Ausladen
kostet nach meiner Berechnung 1,95, höchstens
2 Mk. gegen 3,00 Mk., die ich heute bezahlen muß.
Das stellt doch auf die Saar- und Moselkanalisierung
 einen effektiven Nutzen von I bis 1,10 Mk.
dar, vielleicht etwas mehr, auf Roheisen berechnet,
 mindestens 3,30 bis 3,50 Mk. Wenn wir diese
Frachtersparnis auf die Fertigfabrikate berechnen,
so erlangen wir 8,50 Mk., die uns positiv durch
die Kanalisierung der Mosel und der Saar zuwachsen.
 Daß selbstverständlich die Westfalen auch
diese Frachtermäßigung genießen werden, ist natürlich;
 die Westfalen haben aber größere Strecken
als wir zu überwinden, sie haben beinahe die dreifache
 Entfernung, wenn ich nicht irre 485 km,
wir haben im ganzen 160 km. Die 'Frachtsätze,
die gestern genannt worden sind, akzeptiere ich;
ich glaube auch, daß Erze etwa 2,30 Mk., mit
Zoll (Kanalabgabe) 3 Mk. in Ruhrort kosten werden,
während sie bei uns 1,35 Mk. kosten. Wenn ich
nun die reine Fracht nehme, so ergibt das an
Zoll und Kanalfracht 1,34 Mk. für die Saar, und
zwar 95 Pfg. Fracht und 40 Pfg. Zoll, für Westfalen
3 Mark. Es ist also richtig, daß Westfalen 1,65
Pfg.' pro Tonne höhere Fracht immer haben wird
für Erze als die Saar. Ich kann nicht beurteilen,
ob und wieviel Erze später Westfalen aus Lothringen
 beziehen wird, ob 2 Teile oder 3 Teile,
ich habe natürlich mit 3 Teilen rechnen müssen.
Das ergibt eine Mehrbelastung für die Tonne Roheisen
 von zirka 5 Mk. gegenüber der Saar ....
Ich glaube, daß der Unterschied, respektive der
Vorteil, den früher Westfalen hatte, sich jedenfalls
 nicht vermehrt hat, sondern daß er vielmehr
sich vermindert hat. Es bleibt zu berücksichtigen,
daß wir 8,50 Mk. effektiven Vorsprung erhalten,
der meiner Ansicht nach durch die Kohlen und
Koks, namentlich solange sie eingeladen werden
müssen, nicht ausgeglichen wird. Die Bergfracht
wird den Ruhrkohlen die Konkurrenz erschweren
unseren Kohlen gegenüber. Wenn alle diese
Momente dafür sprechen, daß im allgemeinen die
Saar sich nicht feindlich dem Projekt gegenüber
zu stellen hat, so ist zu sehen, daß nicht alle
Hütten an der Saar die gleichen Interessen haben,
die eine liegt etwas näher. die andere ferner der
            
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