Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

Hayingen und Maizie&res in der Lage sein werden,
 ihren ganzen Koksbedarf zu Wasser billiger
aus Westfalen statt jetzt teilweise aus ihren eigenen
Kokereien an der Saar zu beziehen und dagegen
diesen eigenen Koks den Saareisenwerken zu deren
Verbrauch an Ort und Stelle zu überlassen. Allein
dadurch und durch die Vermehrung der Licferung
von Kokskohlen und Koks, selbst zumteil zus Westfalen,
 wird es möglich sein, den steigenden Bedarf
 der Saarwerke an Roheisen zu decken. Letztere
sind gezwungen, schon seit langer Zeit große Mengen
 davon aus Lothringen, Luxemburg, ja in neuerer
Zeit sogar erhebliche Quantitäten aus Longwy in
Frankreich zu beziehen, während die an der Saar
betriebenen Hochöfen aus Mangel an Brennstoff
schon seit länger als Jahresfrist weit unter ihrer
Leistungsfähigkeit ‚erhalten werden müssen, neue
fertiggestellte aber aus gleichen Gründen gar nicht
oder nur durch Koksbezug aus Westfalen ins Feuer
gebracht werden können.‘
Karl Röchling schloß seine Denkschrift mit den
Worten: „Wenn nun alle‘ diese Gründe auch für
die an der Saar belegene Eisenindustrie zugunsten
der Saar- und Moselkanalisierung sprechen, so ist
doch natürlich und begreiflich, daß z. B. Neunkirchen,
 das nahezu 23 km vom heutigen Saarkanalhafen
 liegt und wegen der außerordentlich
schwierigen Terrainverhältnisse keine Aussicht hat,
ähnlich wie die allermeisten westfälischen Eisenarzeuger
 durch spätere Kanalfortsetzungen ins Binnenland
 in direkte Verbindung mit den neuen Wasserstraßen
 zu gelangen, daß eben dieses Neunkirchen
 samt den unter seinem Einfluß stehenden
Saarwerken, den Hütten zu Halberg und Dillingen,
mit allen Kräften gegen diese anderen Eisenhütten
mehr als ihm nützende Verbesserung der großen
Wasserverkehrsstraße der Saar und Mosel wehrt.
Ebenso ist es erklärlich, daß die belgischen und
französischen. Besitzer von Burbach, deren großartige
 belgische‘ und französische Eisenhüttenwerke
in Charleroi, Maubeuge und Longwy usw. in ihrer
Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte nur leiden
können, während die Erträgnisse Burbachs bisher
sehr befriedigend hohe waren, ebenfalls kein Bedürfnis
 nach der neuen Wasserstraße empfinden.
Unter diesen Verhältnissen ist‘ es klar, daß ich
schließlich allein im Interesse der an der Saar belegenen
 Eisenindustrie, und zwar im Widerspruche
mit der dortigen Handelskammer und den beiden
wirtschaftlichen Vereinen, welche alle drei sich unter
dem Vorsitze des Herrn von Stumm befinden, hier
auftreten muß. Nach meiner unumstößlichen
Veberzeugung bleibt aber auch‘ an der Saar wahr,
was in der ganzen Welt sich bisher als richtig
erwiesen hat, daß der größte ökonomische Fortschritt
 unseres Jahrhunderts der großartigen Entwicklung
 aller zu Gebote stehenden Verkehrsmittel
zu danken ist und daß demjenigen Staat allein
die Führerschaft in der Zukunft verbleiben wird,
der wie England bisher auf den Gebieten des Verkehrswesens
 aller Art am schnellsten und energischsten
 vorwärtsstrebt und dadurch seine Industrie
 und Schiffahrt zur Schaffung eines Weltreiches
befähigt und nutzbar macht.“
Ucber die Einwirkung der Mosel- und Saarkanalisierung
 auf den Saarkohlenbergbau machte
sich Karl Röchling 1890 folgendes Bild:
„Betrachtet man die von Königlicher Berg.
werksdirektion erzielten Preise für Flammkohlen,
so wird man finden, daß diejenigen von Gruben,
welche am Wasser liegen. immer höher als die der
            
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