Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

Die Antwort auf Frage 6 lautete:
„1. Durch die Kanalisierung wird der niederrheinisch-westfälischen
 Eisenindustrie der Bezug der
Minette-Eisensteine möglich gemacht und dieselbe
dadurch für den Wettbetrieb ım Auslande wieder
konkurrenzfähig gegen England und Belgien.‘‘
„2. Voraussichtlich wird das seither noch aus
dem Auslande kommende Quantum von 250000 t
Roheisen für. die Folge im Inlande dargestellt und
bleibt somit ein Kapital von ı1 Millionen Mark im
Inlande.“‘
„3. Desgleichen hört der Bezug von spanischen,
algerischen und schwedischen Eisensteinen, ebenso
von holländischem Rasenerz, Puddelschlacke aus
England, Frankreich und Belgien auf, und bleiben
dadurch ebenfalls viele Millionen Mark dem Vaterlande
 erhalten. Vielen tausenden von Arbeitern
kann lohnende Beschäftigung gegeben werden.‘‘
„4. Die durch die Mehrproduktion von Roheisen
 nötigen Quantitäten von Kohlen und Koks
werden auch auf den Absatz der Saarkohlen einen
vorteilhaften Einfluß ausüben, da ein Teil der
Werke, die für die Produktion des Roheisens nötig
sein werden, sicherlich in Lothringen und an der
Saar errichtet wird. (Ein Werk mit 2 Oefen wird
bereits von einem Koblenzer Konsortium errichtet
und ist im Bau begriffen.)““
„Es ist eine altbekannte Tatsache, daß eine
Verbesserung der Absatzwege und Bezugsquellen
niemals eine Verminderung des Verkehrs herbeigeführt
 haben. Und so wird auch die Kanalisierung
der Mosel, Saar und Lahn für die wenigen opponierenden
 Werke an der Saar keinen erheblichen
Nachteil herbeiführen. Diese Werke arbeiten sämtlich
 unter so ausgezeichnet günstigen Verhältnissen
und mit so billigen Selbstkosten, daß der vermeintliche
 Nachteil, der ihnen dadurch erwachsen könnte,
daß die niederrheinisch-westfälischen Werke verminderte
 Selbstkosten erhalten, für sie dadurch
mindestens aufgehoben wird, daß sie billige Frachten
 bis zur See bekommen und dadurch‘ exportfähiger
 werden, abgesehen davon, daß die Werke
selbst billigere Eisensteinfrachten bekommen. Das
Lahngebiet wird keine Nachteile haben, da der
höhere Eisengehalt, der Mangangehalt und die
Reinheit dieser Erze sie für viele Roheisensorten
geeignet machen, wozu Minetteerze nicht oder nur
in ganz geringen Quantitäten verwandt werden dürfen,
 z. B. prima Gießereiroheisen. Das Königliche
Oberbergamt in Bonn gibt die künftige Wasserfracht
 von Lothringen bis zu den niederrheinischen
Werken auf 4,225 Mk. per Tonne an, was unsererseits
 zu sanguinisch‘' erscheint, man muß auf zirka
4,50—5,00 Mk. rechnen. Die Fracht von Weilburg
ist 3,55 Mk., somit beträgt die Differenz 1,05 Mk.
bis 1,45 Mk. per Tonne, wohingegen die Differenz
 bei der Kanalisierung der Lahn 1,44 Mk. Ersparnis
 ergeben wird, also ein so geringfügiges
Minimum, welches reichlich dadurch aufgehoben
wird, daß die Lahnerze zirka 50% Eisen ausbringen,
 wohingegen die Minette nur 33!/;% Eisen ausbringt.
 Die Lahnerze sind daher erheblich wertvoller
 und können auch etwas höhere Frachten
vertragen.“
„Was nun den Aachener Distrikt anbelangt,
so haben die dortigen Eisenwerke Kohlen, Koks
und auch Eisen (Concordiahütte und die ILuxemburger
 Hochofenwerke) in der unmittelbarsten Nähe,
sodaß auch diese durch die Kanalisierung der
Mosel nicht geschädigt werden. Die Bahnfracht
von Luxemburg bis Aachen heträgt für Roheisen
            
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