Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

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 Steingutfabrikant Schmidt und Direktor Willing
 am 24. November zu sich ein, wobei die Rollen
verteilt wurden. Dann brach er am 26. November
eine kräftige Lanze für den Kanalisierungsplan.
Auf die Rundfrage des Oberpräsidenten der
Rheinprovinz über die Moselkanalisierung liefen eine
große Anzahl ausführlicher Gutachten ein, und
zwar stellten sich die niederrheinischen und die
reichsländischen Urteile allgemein auf den Boden
der Nützlichkeit der Moselkanalisierung, während
der Saarbezirk, der Aachener Bezirk und der Lahnbezirk
 sie bekämpften. Der Operpräsident sammelte
die Gutachten und ließ sie in einer besonderen
Druckschrift erscheinen unter dem Titel „Begutachtung
 der wirtschaftlichen Tragweite des Projektes
der Kanalisierung der Mosel, Saar und Lahn“.
Unter diesen Gutachten befinden sich zwei, welche
in allen wesentlichen Punkten von Karl Röchling
herrühren, das Gutachten der Rheinischen Stahlwerke
 Meiderich und Ruhrort zu Meiderich und das
Gutachten der Deutschen Solvaywerke, Aktiengesellschaft
 zu Saaralben. Die Rheinischen Stahlwerke
 führten zu den ersten Fragen aus, daß sie
bei Kanalisierung der Mosel Minette aus ihren eigenen
 Gruben im Algringer Tal zu Wasser beziehen
würden. Bei Bahnverschaffung stelle sich die Fracht
bis Meiderich auf 8 Mk., bei Bahnverschaffung bis
Oberlahnstein und von dort zu Wasser auf 6,50
Mark bis 7 Mk., bei Kanalisierung der Mosel auf
4,50 Mk. bis 5 Mk., sodaß auf die Tonne Erze
sine Ersparnis von 2 Mk. falle. Weiter schrieben
sie: „Wir bezogen seither per Monat zirka 3000ot
Roheisen aus Lothringen und Luxemburg = 36000
Tonnen per Jahr via Oberlahnstein per Bahn und
von da per Schiff nach Ruhrort. Da wir vom
ı. März 1888 an unseren Hochofen in Ruhrort in
Betrieb nehmen, so bedarf ein solcher bei einer
Tagesproduktion von 180t Eisen pro Ofen bei
einem Verbrauch von 66,66% Minette täglich 360
Tonnen Minette = 10800t monatlich = 21 60oot
für 2 Oefen. Die übrigen 33,3% Eisenstein würden
 wir voraussichtlich größtenteils von der Lahn
und aus dem Siegerlande entnehmen. Pro Jahr
würde somit unser Werk bei 2 Oefen allein 259 200 t
Minetteerze verbrauchen. Die Ersparnis pro Tonne
Eisen gegen die seitherigen Frachten beläuft sich
auf zirka 4 Mk., bei einer Produktion von 129 000
Tonnen Roheisen auf 516000 Mk. Heute können
diese Erze hier kaum verhüttet werden; bis dahin,
daß die Mosel kanalisiert oder der erhoffte Notstandstariıf
 eingeführt sein wird, würden wir nach
Möglichkeit andere Erze als die zu teueren Minetteerze
 verhütten, uns also, soweit wir andere Erze
noch bekommen können, des Minettebezugs enthalten.
 Auf die Dauer wird aber der Minettebezug
in der angegebenen Höhe wegen des Schwindens
ler anderen eigenen Erze (bez. der Puddelschlacke)
zur Notwendigkeit werden. Unserer Ansicht nach
wird sich das Gesamtquantum der Eisensteine, die
aus Lothringen nach dem _niederrheinisch-west-.
fälischen Gebiet geschafft werden, jährlich auf mindestens
 1,5 Millionen Tonnen talwärts belaufen,
 denen talwärts noch die sämtlichen Waren,
die von den lothringischen und Saarwerken im
Binnenverkehr und nach der See talwärts geschafft
werden, hinzutreten und denen bergwärts an Eisensteinen
 von der Lahn Koks und andere Waren,
ein Quantum, das wir auf nahezu ı Million Tonnen
schätzen, gegenüberstehen würde. Wir bemerken
noch, daß heute noch von England 25000ot Roheisen
 jährlich nach hier eingeführt werden, die ein

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