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Bergbaues und unserer Industrie dringend, daß von
einer Verwirklichung des Projektes der Moselkanalisierung
Abstand genommen und dafür eine generelle
Ermäßigung der Eisenbahnfrachten für Erze, Kohlen
und Koks angebahnt werde.‘ Am 8. Januar
1888 beschloß dann die Kammer, dem Reichskanzler
eine eingehende Denkschrift über die mutmaßlichen
üblen Folgen der Moselkanalisierung zu
überreichen, und dies wurde für die in der Frage
der Wahlkreiseinteilung unterlegene Minderheit
unter Karl Röchlings Führung der endgiltige Anlaß
zu ihrem am ı. März 1888 erfolgenden Austritt
aus einer Kammer, in der sie sich in einer
hoffnungslosen Minderheit gegenüber den Kanal.
gegnern befanden.
Nach der Versetzung des kanalfreundlichen
Landrats von Voß, eines Neffen Karl Röchlings —
seine Gattin war Clara Henriette, die Tochter Friedrich
Wilhelm Röchlings — erklärte Karl Röchling
seinen Austritt auch aus allen übrigen öffentlichen
Aemtern. Der Kreistag erkannte jedoch seine
Gründe nicht an und zwang ihn so zum Bleiben.
Aus der Stadtverordnetenversammlung aber schied
er aus. Er war der Meinung, daß ihm nach seinem
Austritt aus der Handelskammer ein erneutes
öffentliches Auftreten in der Kanalfrage nicht mehr
zustehe und ihn in Widerspruch zu seinen Erklärungen
über seine Ueberbürdung mit Berufsarbeit
setzen würde. „Ich bleibe selbstredend deshalb,‘
schrieb er am 2. Mai 1889, „dennoch überzeugt,
daß die Kanalisation der Mosel und Saar
ein Werk voh der allergrößten nutzbringenden
Tragweite für unser Gebiet ist und werde das
überall, wo ich gefragt, bekunden.‘‘ Dafür wandte
er sich um so eifriger der privaten und literarischen
Vertretung seiner Anschauungen über die
Kanalisierungsfrage zu, zu welcher die an mehreren
Stellen erwachende Moselkanalbegeisterung ihm
vielfachen Anlaß bot.
Am Niederrhein setzte das Werben für die
Moselkanalisierung schon 1888 mit aller Schärfe
ein. Am 15. Februar 1888 wurde in Düsseldorf
auf der Generalversammlung des Vereins deutscher
Eisenhüttenleute der Gegenstand erörtert: „Die Zukunft
der niederrheinisch-westfälischen Hochofen
industrie rücksichtlich des Eisensteinbezuges.‘* Obwohl
von der Saar, von der Sieg und von der
Lahn Einspruch gegen die Verhandlung des Gegenstandes
erhoben worden war, wurde in die Verhandlungen
eingetreten. Direktor Schlink-Mühlı1eim
a. d. Ruhr erstattete den Bericht und die
Versammlung faßte folgenden Beschluß:
„In Erwägung der Tatsache, daß die Lebensfähigkeit
der niederrheinisch-westfälischen Hochofenindustrie,
welche sich, soweit sie zur Herstellung
von Roheisen für das Thomasverfahren übergegangen
ist, mehr und mehr auf den Bezug lothringischer
Minette angewiesen sieht, in Frage steht,
bez. der Tatsache, daß diese Industrie genötigt
sein würde, den Schwerpunkt ihrer Erzeugung
nach Lothringen und Luxemburg zu verlegen, wenn
nicht die Frachten zum Bezuge seiner Minette erheblich
erniedrigt werden, beschließt der „Verein
deutscher Eisenhüttenleute‘‘ in Verbindung mit der
„Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher
Eisen- und Stahlindustrieller‘‘ bei dem Minister für
Handel und Gewerbe, Sr. Durchlaucht dem Fürsten
Bismarck, vorstellig zu werden, er wolle bei der
preußischen Staatsregierung‘ dahin wirken, daß ı.
die Mosel von Metz bis Coblenz kanalisiert werde,
2. bis zur Fertigstellung der Moselkanalisierung die