daß sich in diesem Jahre der preußische Minister
der öffentlichen Arbeiten noch immer der Logik
der wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu beugen
weigerte.
Der Kampf zwischen Karl Röchling und Karl
Ferdinand Stumm um die Mosel- und Saarkanalisierung
hatte aber noch tiefere Wurzeln. Die Stummschen
Eisenwerke waren an der Saar die einzigen
gewesen, welche das Versagen der Felder von
Brauneisensteinnieren auf dem Saarkohlengebirge
überlebt hatten. Auf dem südwestlichen Boden
Preußens hatten um 1850 wenig mehr als
Stummsche Hochöfen geraucht. Die ebenfalls noch
übrig gebliebene Halbergerhütte hatte nachmals das
Haus Stumm zusammen mit dem Hause Böcking
erworben. Das Neunkircher Eisenwerk, die Aktiengesellschaft
der Dillinger Hüttenwerke und die Halbergerhütte,
das waren die großen Hütten des
preußischen Südwestens gewesen. Die 1856 von
einer belgischen Gesellschaft gegründete Burbacherhütte
hatte zwar diese Stummsche Monopolstellung
in Südwestpreußen gebrochen, aber sie hatte lange
als nicht beachtenswerter Mitbewerb gegolten und
sich erst. durch zähe Arbeit von Jahrzehnten emporarbeiten
müssen. Der Eintritt Elsaß-Lothringens
in den deutschen Zollverein 1871 hatte dagegen
den Stummschen Werken einen unmittelbar benachbarten
Mitbewerb gebracht und namentlich nachdem
die Frist, während welcher das Eisen der
Lothringer Werke noch zum halben Zoll nach
Frankreich einging, abgelaufen war, schwer auf die
Preise gedrückt. Unter diesen Umständen kam das
Handelshaus Röchling und baute in Frankreich auf
den Erzen, mit der Gewißheit, unmittelbar an eine
Wasserstraße zu gelangen, eine Eisengießerei,
welche ın ganz besonderen Wettbewerb mit der
Halbergerhütte eintrat. Kaum war diese zur Blüte
gebracht, da kaufte es das Völklinger Puddel- und
Walzwerk und baute es zum großen Hochofenwerke
aus, das dieselben Erzeugnisse herstellte wie
das Neunkircher Eisenwerk. Als dann Stumm nach
der Mosel hinübergriff und sich das Hochofenwerk
Ueckingen baute, setzte Röchling das Hochofenwerk
Carlshütte dicht daneben. Zu diesen Gegensätzen auf
dem Felde des ertragswirtschaftlichen Wettbewerbes
kamen andere Gegensätze, welche auf parteipolitischem
und ideellen Gebiete lagen. Stumm war
freikonservativ, Schutzzöllner, Anhänger des Staatseisenbahnsystems
und aus diesem Grunde ein Gegner
künstlicher Wasserstraßen. Dazu lag sein
Hauptwerk Neunkirchen hoffnungslos abseits dem
möglichen Wasserwege und Dillingen mehrere Kilometer
von der unkanalisierten Saar. Die Röchlings
hatten in den siebziger Jahren einen demokratischen
Zug, welcher den beiden Saarstädten
Saarbrücken und St. Johann damals überhaupt
eignete und durch den Kampf mit dem Zentrum
eine wesentliche Verschärfung erfuhr. Die ertragswirtschaftlichen
Interessen der Röchlings lagen zunächst
im internationalen Handel: im Kohlenhandel
nach Frankreich, der Schweiz, später nach Italien;
im Eisenbezug aus England nach Deutschland
später auch nach Italien und im englischitalienischen
Kohlenhandel. Daher bis in die siebziger
Jahre eine freihändlerische Richtung, die
Karl Röchling bewog, an Stumm heranzutreten und
ihn zu bitten, im Reichstag für den Ausbau des
Veredlungsverkehrs einzutreten. Durch Pont-ä-Mousson
erhielten die Röchlings französische Produktionsinteressen,
welche den Interessen des deutschen
Zollinlandes zuwiderliefen. Diese Frage
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